BBI-Baustelle in Schönefeld : Auf dem neuen Flughafen geht’s bereits rund

Der Ausbau des Terminals in Schönefeld macht Fortschritte, der Bahnhof ist schon fast fertig. Mit hunderten Koffern wird die Sortieranlage fürs Gepäck getestet, damit zur Eröffnung am 3. Juni 2012 alles funktioniert.

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Schönefeld - Das Herz rumpelt. Was einem Arzt Sorgen machen würde, erfreut die Techniker auf der Flughafenbaustelle in Schönefeld. Wenn es in der Gepäcksortierhalle unter dem Hauptterminal des neuen Flughafens so richtig rund geht, wissen sie: Es funktioniert. Vor einem Jahr haben die Arbeiten zum Aufbau der insgesamt zehn Kilometer langen Förderbänder begonnen – jetzt kann schon geübt werden, mit echtem Gepäck. Mit Inhalt, damit auch das Gewicht simuliert werden kann. Die Halle gilt als Herzstück des Flughafens. Und weil’s dort schon gut läuft, ist Geschäftsführer Manfred Körtgen „absolut sicher“, den geplanten Eröffnungstermin 3. Juni 2012 einhalten zu können – unabhängig von den Diskussionen um Flugrouten und Nachtflüge.

Wo jetzt noch viele Menschen stehen und zusehen, wie die Taschen und Koffer auf dem Bänderwirrwarr den richtigen Weg finden, wird es im Betrieb fast menschenleer sein. Fast alles wird automatisch ablaufen. Bis zu 15 000 Gepäckstücke können so in einer Stunde sortiert werden; von der Abgabe bis zum Sortierrundlauf sollen nicht mehr als drei bis vier Minuten vergehen. Rund 40 Millionen Euro kostet die Anlage.

Ein verdächtiges Gepäckstück landet am Ende in einem sprengstoffsicheren Raum, wo sich dann die Bundespolizei darum kümmert. In der Halle darf sich immer nur „cleanes“ Gepäck befinden, wie die Planer sagen. Gesteuert werden die Gepäckstücke über Scanner, die den Code an den Taschen und Koffern von allen Seiten lesen können. So ist es schließlich völlig egal, in welcher Position das Gepäckstück auf dem Band landet. Um die Lesesicherheit zu verbessern, werden inzwischen häufig aber weitere kleinere Codeschildchen aufgeklebt. Was doch nicht automatisch eingelesen werden kann, wird von bis zu vier Mitarbeitern – sie haben ihren Arbeitsplatz direkt in der Förderanlage – an Ort und Stelle nachcodiert. Dann geht’s ab in den Bauch des Flugzeugs. Abgegeben wird das Gepäck an acht Check-in-Inseln im Hauptgebäude. Die ersten Stahlgerüste für die Schalteranlagen stehen bereits. Bevor sich hier eines Tages die Passagiere anstellen, werden mehrere tausend Komparsen den Betrieb mehrfach testen – von der Abgabe des Gepäcks bis zum Einsteigen. Ende November soll der Probebetrieb beginnen. 95 Prozent des Baus müssen dann fertig sein.

Und die Tester können auch feststellen, wie kurz oder lang die Strecke zum Abfluggate sein wird. Der Flughafen rühmt sich zwar, eine Anlage der kurzen Wege zu sein, was aber nicht überall verwirklicht wird. Kurz sind die Wege vom unterirdischen Bahnhof, dessen Ausbau weit vorangekommen ist, bis zur Haupthalle mit den Check-in-Schaltern. Auch vom Parkhaus zur Haupthalle sind es nur wenige Meter. Schnell sind nach Passieren der Sicherheitskontrollen und dem Durchqueren des „Marktplatzes“ mit seinen weit über hundert Geschäften und Restaurants auch die 16 Fluggastbrücken erreicht, wo unter anderem die Lufthansa abfliegt. Der gesamte Trakt ist 715 Meter lang, die Haupthalle liegt in der Mitte. Laufbänder erleichtern später den Weg, die ersten sind bereits geliefert. Auch die ersten Jura-Natursteine sind gelegt.

Auf ihnen oder auf den Laufbändern müssen später die Passagiere bis zum Ende des Gebäudes gehen oder fahren, wenn sie von einem der beiden Seitenpiers abfliegen. Nur dort gibt es jeweils einen Übergang. Die Seitenpiers sind jeweils 350 Meter lang. Wer zum Gate am Ende muss, hat dann mehr als einen halben Kilometer im Terminal zurückgelegt.

Doch für die Planer zählen nicht die Kilometer, sondern die Tage. Bereits ein Mal musste die geplante Eröffnung um sieben Monate verschoben werden. Das soll sich nicht wiederholen, verspricht Körtgen und zeigt den Baufortschritt: Am Hauptpier sind die doppelstöckigen Fluggastbrücken in Bau, an allen Gebäuden, die zum Start fertig sein müssen, wie etwa die drei Feuerwachen oder die Energieversorgungsanlagen, haben die Arbeiten begonnen oder sind zum Teil sogar fast abgeschlossen. In der Airport-City drehen sich die Kräne; hier entstehen ein Hotel, ein Verwaltungsbau, Parkhäuser und ein Mietwagencenter. Und in der Gepäcksortierhalle rumpelt es auch schon wieder. Körtgen ist beruhigt.

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