Berlin : BDI-Chef Michael Rogowski

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Er hat nicht immer an der Spitze gestanden – so wie heute als IndustriePräsident oder oberster Chef der Heidenheimer Welt-Firma J.M.Voith AG. Der „Spätentwickler“, wie der vierte von den fünf Rogowski-Kindern sich selber nennt, hat vor dem Abitur an der Stuttgarter Waldorf-Schule „zwei Warteschleifen“ gedreht. Ziemlich oft musste er „vor die Klassentür“. Nur Sport hat ihn immer begeistert. So sehr, dass er sich beim Skifahren einmal den Kiefer gebrochen hat. Zum Studium des Wirtschaftsingenieurs in Karlsruhe (und Lausanne) musste sein Vater, selber ein oft im Ausland tätiger Ingenieur, ihn „überreden“. Zwölf Semester brauchte er bis zum Abschluss.

Heute verteilt der mittlerweile recht selbstbewusste „Mann der Wirtschaft“ Lob und Tadel an die Regierung, Gewerkschaften und die, die der Industrie sonst noch Steine in den Weg legen. Unvergessen die öffentliche Schelte des Kanzler-Kurses bei der BDI-Jahrestagung im alten DDR-Staatsratsgebäude vor zwei Jahren. Das hat er in diesem Jahr in der Palast-Ruine wieder „geheilt“. Da bekam Gerhard Schröder Schalmeien-Töne zu seinem Reformkurs zu hören, ein Lob, das ihm in den eigenen Reihen eher Ärger gebracht hat. Parteipolitisch sitzt Rogowski sozusagen in der „neutralen Ecke“. Die Sympathie für die FDP drückt die von ihm oft gewählte gelbe Krawatte aus. Clubs mag er nicht. Den Heidenheimer Lions-Club hat er wieder verlassen.

In Berlin sind die Rogowskis zwar ausgesprochen gerne, aber immer nur als Gäste im Adlon, so drei Tage in der Woche. Die Berliner seien „eine Herausforderung“, recht ruppig und die Stadt nicht sehr sauber. „Das Unfertige ist der Reiz“. Die Rolle Berlins als klassischer Industriestandort, „sei heute wohl vorbei“, meint Rogowski, aber als Region für „wissensbasierte Tätigkeiten wie etwa für Mikroelektronik“ seien die Chancen intakt. Wie Berlin aus seiner Finanzmisere herausfinden könne, weiß er auch: „Einen Sonderstatus wie Washington D.C.“.

Heik Afheldt war Herausgeber von „Handelsblatt“, „Wirtschaftswoche“ und dem Tagesspiegel.

Michael Rogowski , Wirtschafts-Ingenieur und Dr.rer.pol., wurde am 13. März 1939 in Stuttgart geboren. Seit Januar 2001 ist

er Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie.

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