Berlin : BDI- Chef von Wartenberg

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Irgendwie wirkt der Mann mit sich und seinem Job zufrieden. Pfeife, Brille, wache, gutmütige Augen und eine ansteckende Ruhe. An einen Bernhardiner denkt man, unterwegs, um zu helfen, wo es Not tut. „Als Vermittler zwischen Wirtschaft und Politik“ versteht sich der Leiter des mächtigen Spitzenverbandes der Deutschen Industrie. Nicht unbedingt mehr Arbeitsplätze, sondern „eine optimale Wertschöpfungstiefe“ sei der Schlüssel für einen internationalen Spitzenplatz. Aber noch hapert es mit dem gegenseitigen Verständnis von Politik und Wirtschaft. Da setzt der ehemalige Freie Demokrat (1964 ausgetreten, weil er die Anerkennung der DDR für falsch hielt) und heutige CDUMann seine Erfahrungen und Fähigkeiten ein.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war seine Familie von Fürstenwalde nach Hannover geflohen. Dort und später in Belfast und Göttingen hat er Volkswirtschaft und Wirtschaftsgeschichte studiert und auch promoviert. 1970 zog er mit 29 Jahren als jüngster Abgeordneter in den Landtag in Hannover ein. Von 1976 bis 1990 war er Bundestagsabgeordneter, aktiv im Wirtschafts- und Finanzausschuss, später Staatssekretär bei Bangemann. Als Berichterstatter des Nato-Wirtschaftsrates reiste er in die ganze Welt. Seit Anfang 1990 nun steuert Wartenberg als Hauptgeschäftsführer die Geschicke des BDI – erst „unter“ dem Präsidenten Tyll Necker und dann mit Michael Rogowski. Der Etat liegt bei zwischen 20 und 25 Millionen Euro im Jahr, gut 200 Leute sitzen heute bei ihm im eindrucksvollen Haus der Deutschen Wirtschaft an der Spree.

Ein „kleines Haus der Wirtschaft“ haben Wartenbergs im Grunewald. Dort führt seine Frau Elisabeth die Geschäfte mit Geschick und Charme. Die „Wirtschaftsgespräche“ im kleinen Kreis sind berühmt. Da treffen sich Wirtschaft und Politik. Sogar bei seinem Lieblingssport Golf spielt dieser Dialog eine Rolle. Auch in diesem Sommer sind sie nicht verreist. „Der Sommer in Berlin ist so schön“ – und die Greens hier sind es auch.

Heik Afheldt war Herausgeber von „Handelsblatt“, „Wirtschaftswoche“ und dem Tagesspiegel.

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