Berlin : Beach-Fußball im Liegestuhl

Der Bundespressestrand zieht um und startet mit der EM in die zweite Saison

Volker Eckert

Der Name klingt so gar nicht nach südländischer Lebensart: „Bundespressestrand“, da denkt man an Bürostuben und verstaubte Aktendeckel. Dabei wird doch echter Meeressand herangekarrt, um der hart arbeitenden politischen Elite – und ganz normalen Berlinern – eine Ahnung von Adria zu geben. Ende Mai soll es wieder losgehen mit kühlen Drinks gleich am Ufer der Spree. Aber nicht ganz am selben Ort wie im Vorjahr. Damals war die Strandbar am östlichen Spreeufer gegenüber vom Regierungsviertel zum ersten Mal aufgeschüttet worden. Tagsüber gab’s hier Bier und Cocktails unterm Sonnenschirm, abends traten manchmal Bands auf und regelmäßig wurde zum Tango aufgespielt. Und weil dann auch noch das Wetter mitspielte, wurde die ganze Sache ein Erfolg – den die Organisatorin Johanna Ismayr von der Agentur „Walks and Talks“ unbedingt wiederholen will. Nur wird an der alten Stelle gerade an der Uferbefestigung gebaut, und so bekam der Bundespressestrand doch noch sehr viel mit den Behörden zu tun.

Ein neuer Standort musste gefunden werden, nach langem Abwägen war vergangene Woche Ortstermin: Vertreter vom Bundestag, der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und dem Bezirk Mitte waren da – und Strand-Organisatorin Ismayr. Die hat im Winter schon ihre Erfahrungen mit der Politik gemacht. Ganz in der Nähe wollte sie diesmal einen kleinen Erdhügel aufschütten und Schnee daraufkippen. Die Herren im Bundeskanzleramt hatten aber offenbar Angst vor Lärmbelästigung und stoppten das Schneetreiben, bevor es losging.

Doch diesmal scheint es gut zu gehen, auch wenn sich wieder der Bund ein bisschen querstellt. Drei Standorte wurden Johanna Ismayr vom Senat vorgeschlagen, sie entschied sich für den Uferstreifen unterhalb der Bundestags-Kita. Alle waren einverstanden, nur die Leute von der Bundestagsverwaltung haben sich Bedenkzeit erbeten wegen der Nähe zu ihrer Kindertagesstätte. Für Johanna Ismayr ist die Sache aber praktisch entschieden. „Ich habe selber mal bei der Kita angerufen. Die haben damit keine Probleme.“ Auch eine Senatssprecherin „geht davon aus, dass es klappt“.

Allerdings wird auch am neuen Standort noch gebaut. Johanna Ismayr hofft, dass sie Ende Mai anfangen kann, ihren Strand aufzubauen. Ihr Konzept: „Alles soll wieder so werden wie beim letzten Mal.“ Diesmal kommt noch eine überdachte Bar dazu, eine Stahl-Glas-Konstruktion im Stile eines viktorianischen Pavillons. Und eine große Leinwand. Auf die Frage, was da denn wohl gezeigt werden soll, antwortet Johanna Ismayr mit leichter Empörung in der Stimme: „Die Fußball-EM natürlich!“ Einziges Manko des neuen Strandes: Hier scheint die Sonne eine Stunde kürzer, um sechs wird’s schattig.

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