Berlin : „Beamte müssen verzichten“

Warum die Wohlfahrtsverbände den Senat unterstützen

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Eigentlich sollten sich die Berliner Wohlfahrtsverbände beim Streit um den Solidarpakt auf die Seite der Gewerkschaften schlagen. Schließlich orientieren sich ihre Gehälter an denen der Beamten. Dennoch äußern sie sich lobend über die Vorschläge des Senats. Warum? Ein Gespräch mit der Vorsitzenden des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Berlin, ChristaMaria Blankenburg.

Sie stehen hinter dem Senat. Warum?

Weil die Sparmaßnahmen, die in Berlin unumgänglich geworden sind, auch sozialverträglich sein müssen. Bedenken Sie: Im Land Berlin werden die Einnahmen fast ausschließlich gebraucht für die Bezahlung der Angestellten. Das ist ein Missverhältnis. Für die anderen bleibt da einfach zu wenig.

Aber was haben die Wohlfahrtsverbände davon, wenn Beamte auf Geld verzichten?

Wir hoffen, dass ein Teil der eingesparten Summen dann uns zugute kommt. Dann müssten die Kürzungen, die bei den Trägern vorgesehen sind, nicht so drastisch ausfallen. Allein bei der Jugend- und Behindertenhilfe sollen bis Ende kommenden Jahres 200 Millionen Euro eingespart werden. Weil bei den Trägern die Kosten zu 80 Prozent aus Personalkosten bestehen, wären sofort 6000 Stellen gefährdet. Deshalb haben wir den Solidarpakt schon verlangt, als im Juni der Haushalt beschlossen war.

Nun ist der Wohlfahrtsverband selber Arbeitgeber und beschäftigt in Berlin immerhin 41000 Mitarbeiter. Stehen Ihre Angestellten hinter Ihnen, wenn Sie jetzt eine Regelung unterstützen, bei der sich auch ihre Löhne reduzieren?

Im Großen und Ganzen: ja. Anders als Beamte haben unsere Mitarbeiter ja keine Beschäftigungssicherheit. Sie würden gerne auf Ansprüche verzichten, wenn damit im Endeffekt nicht noch mehr Stellen gestrichen werden. Es gibt bei kleinen Trägern jetzt schon Mitarbeiter, die freiwillig auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten.

Es gibt Berliner, die Ihnen vorwerfen, den Gewerkschaften in den Rücken zu fallen.

Das ist ja wohl umgekehrt. Das Verhalten der Gewerkschaften empfinden wir als unsolidarisch. Wir Berliner müssen gemeinsam durch die Krise sparen, nicht einige auf dem Rücken der anderen. Der Senat hat in der Vergangenheit schon einiges gegeben, die Angleichung der Ostgehälter zum Beispiel. Nun ist der Zeitpunkt gekommen, da die Beamten einmal nicht nur fordern, sondern auch verzichten müssen.

Das Gespräch führte Christine-Felice Röhrs

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