Berlin : Bebauungsplan: Hafen vor Neukonzeptionierung?

Rainer W. During

Nach dem Insolvenzantrag der Rentaco AG zeichnet sich im Bezirksamt ein Umdenken bei der Bebauung des Tegeler Hafens ab. Wie berichtet, hatte das in wirtschaftliche Bedrängnis geratene Unternehmen hier für 120 Millionen Mark eine Seniorenresidenz und ein Gesundheitszentrum errichten wollen. Es handele sich um einen "vorhabensbezogenen" Bebauungsplan, sagte Baustadtrat Michael Wegner (CDU). Werde das Projekt nicht realisiert, gebe es "eine komplette Neubewertung und Diskussion" zur Gestaltung des Areals. Dabei werde sich das Bezirksamt "der Bedenken der Bürger annehmen".

Das Berliner Immobilienunternehmen hatte auf der Insel im Tegeler Hafen eine drei- bis viereinhalbgeschossige Seniorenresidenz errichten wollen. Auf dem gegenüberliegenden Festland war ein Gesundheitszentrum einschließlich Boardinghaus, Läden, Restaurants und Freizeiteinrichtungen geplant. Der bis zu acht Stockwerke hohe Komplex war auf besondere Kritik gestoßen. Eine Bürgerinitiative hatte rund 5500 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt.

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Bereits Anfang Januar hatte die Rentaco AG einen Liquiditätsengpass von rund 20 Millionen Mark bestätigt, der mit der bei zunehmender Konkurrenz erschwerten Belegung der Seniorenwohnungen begründet wurde. Die zeitgleiche "Zurückstellung" der Bebauung des Tegeler Hafens hatte ein Firmensprecher damals allerdings mit einer noch "verhandlungsbedürftigen" Erschließung des Geländes sowie geplanten Gesprächen mit der Bürgerinitiative begründet.

Der Kaufpreis für die landeseigenen Grundstücke wäre erst mit der Erteilung der Baugenehmigung Ende März oder Anfang April fällig, sagte Baustadtrat Wegner. "Wir haben einen rechtsgültigen Vertrag." Vorerst werde man deshalb im Bezirksamt die Dinge im notwendige Maße weiter betreiben. Bisher nur aus der Presse informiert, erwarte man von der Rentaco-Gruppe oder dem Insolvenzverwalter eine Erklärung, ob der geschlossene Vertrag vollzogen oder rückabgewickelt werden soll.

Die in Spandau kurz vor der Fertigstellung stehende Seniorenresidenz in der ehemaligen Schultheiss-Brauerei wird vorerst von der Bayerischen Beamten-Versicherung (BBV) übernommen. In dieser Woche werde sich entscheiden, ob man sie gemeinsam mit einem weiteren Investor führen werde oder der Partner das Haus allein übernimmt, sagte BBV-Sprecher Peter Nützel auf Anfrage. Mit dem Tegeler Projekt habe man nichts zu tun. Die Chancen auf den Einstieg eines neuen Investors scheinen schlecht zu stehen. Seit Bekanntwerden der Zurückstellung des Vorhabens durch Rentaco haben sich laut Wegner verschiedene Interessenten am Gesamtprojekt gemeldet, die "aus Gründen mangelnder Rentabilität" aber schnell wieder abgesprungen sind. Rentaco betreibt auch noch in Wilmersdorf die Seniorenresidenz Nova Vita mit 114 Apartments. Das Unternehmen hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass ein privater Investor den Betrieb der Seniorenresidenz übernehmen werde, so dass die Mietverträge der Bewohner weiterlaufen.

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