Berlin : Bedauerlich?

Ekkehard Schwerk

Immer wenn Eberhard Diepgen neuerdings von seinem ihm angeborenen Berlinertum herzhaften Gebrauch macht und frech wird, gefällt er mir besonders. Den Anfang machte er bei den Amis, mit dieser Hamburger-Bemerkung zur Botschaftsfestung - na, Sie wissen ja. Gefiel mir sehr! Nun hat er im Eifer parlamentarischen Gefechts, also am richtigen Ort zur richtigen Zeit das richtige Bild gezeichnet: hat von "abgetanzten und abgelatschten" Künstlern geredet, die es nun wirklich nicht verdienten, mit Staatsknete (nicht seine Worte!) versehen zu werden. Er meinte wohl so was wie die Hupfdohlen-Szene. Und das gefiel mir wieder sehr.

Aber was macht der Berliner Knabe nun? Er bedauert öffentlich die Wortwahl. Mann! Immerhin bleibt er bei der zugrundeliegenden Sache, aber habe sich eben leider "hinreißen" lassen. Ja doch, und zwar hinreißend frech. Es ist zumindest auch neu, dass sich ein Politiker für eine hinreißend freche Wortwahl öffentlich entschuldigt, aber hier war das nicht nötig.

Neu und komisch ist auch, dass Teile des Bundestages sich offenbar bemüßigt fühlen, auf landespolitische Wortgefechte "empört" zu reagieren. Womöglich mit Naumann als künftigen Regierenden Bürgermeister von Berlin zu "drohen". Die Damen und Herren dort müssen zur Kenntnis nehmen, dass das Land Berlin auf "gleicher Augenhöhe" (Diepgens elegantere Formulierung) mit dem Bund über Kultur und andere Dinge diskutiert, und dies nicht mit frisierter Schnauze.

Sie sollten sich nicht lächerlich machen mit parteipolitischem Gezeter in fadenscheinig vorgetäuschter Solidarität mit abgetanzten, abgelatschten Hupfdohlen.

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