Berlin : Bedroht, geknebelt, ausgeraubt

66-Jährige in Kladow vor ihrer Villa brutal überfallen Zweiter Fall in drei Wochen: Polizei geht von Serientätern aus

Jörn Hasselmann

Die Masche ist neu, und sie ist ausgesprochen brutal: Eine wohlhabende 66-Jährige wurde am Montagabend vor ihrer Villa in Kladow von zwei maskierten Männern abgepasst und mit einem Messer bedroht. Nachdem sie das Anwesen am Glienicker See durchwühlt hatten, entführten die beiden Osteuropäer Karin W. Mit der erpressten Geheimnummer der Scheckkarte der Frau hoben die Täter anschließend mehrfach Geld an Automaten ab. Am späten Abend wurde die Frau in einer zuvor aufgebrochenen Laube in einer Kleingartenkolonie an der Heerstraße gefesselt und geknebelt zurückgelassen. Gegen zwei Uhr früh hörten Nachbarn die Hilfeschreie und befreiten die Frau. Durch einen Schlag ins Gesicht war sie leicht verletzt worden.

„Angesichts des Planungsgrades war das keine Zufallstat“, sagte der Leiter der Mordkommissionen, André Rauhut, dem Tagesspiegel. Die Männer müssen das vermögende Ehepaar W. vorher genau ausgekundschaftet haben – die Parallelen zu einem ebenfalls spektakulären Überfall auf eine 50-Jährige in ihrem Haus am 18. Oktober sind unübersehbar. Auch diese Frau war gefesselt worden, auch ihr hatten zwei maskierte und mit Messern bewaffnete Männer die PIN-Nummer abgepresst. Die Frau hatte sich nach vier Stunden befreien können. Auch dieses erste Opfer hatte die Täter als etwa 1,70 Meter große Osteuropäer beschrieben. „Ein einmaliger Fall“, hieß es vor drei Wochen bei der Kripo. Doch nach dem Überfall von Montag befürchtet die Kripo, dass sich ein Räuberduo jetzt auf diese Methode verlegt haben könnte.

Als der Ehemann von Karin W. am Montag kurz nach 20 Uhr nach Hause kam, stand die Türen offen, die Villa war durchwühlt, und seine Frau war verschwunden. Auch ihr Wagen fehlte. Als der 70 Jahre alte Tierarzt seine Frau nicht über ihr Mobiltelefon erreichen konnte, rief er die Polizei. Unklar ist noch, was aus der großen Villa gestohlen wurde.

Die beiden Männer waren mit dem roten Passat von Karin W. geflohen. Zu dritt fuhren sie durch Berlin und hoben bei mehreren Banken Geld ab. Dann wurde sie in die Laube der Kolonie Amalienhof 1 gebracht, einer der Männer bewachte sie, sein Kumpan fuhr nach Mitternacht wieder zum Geldabheben. Möglicherweise sollte die Frau längere Zeit in der Laube gefesselt bleiben, sagte Rauhut. Die Laube wurde vermutlich von den Osteuropäern gezielt aufgebrochen, um ein Versteck zu haben. Vorstellbar sei daher auch, dass die Täter weitere Forderungen stellen wollten, sagte Rauhut.

Die Kripo hofft jetzt, das der rote viertürige VW-Passat der Frau schnell gefunden wird. Der Wagen mit dem Kennzeichen B-AC 5332 sei vermutlich irgendwo in Berlin oder dem Umland abgestellt worden. Unklar ist, wie die Täter zu der abseits gelegenen Uferpromenade in Kladow kamen – zu Fuß, mit dem Bus oder mit dem Taxi. Um Hinweise bittet die Polizei unter 4664-327174. Rauhut hofft, dass die Männer beim Auskundschaften gesehen wurden. Zu der Tat am 18. Oktober gab es jedoch bislang keine Zeugenhinweise und auch noch keine heiße Spur.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben