Berlin : Begehrtes Heldentum

„Wir sind Helden“ spielen gleich an zwei Tagen in Berlin. Trotzdem waren alle Karten im Nu weg

-

Wer die sind? Discodichter, Wortspieler, Nachvorneträumer, so jedenfalls beschreiben sich die Musiker selbst. Drei Heldenjungs und eine Heldin: Synthesizer, Schlagzeug, Bass – und eine Sängerin mit losem Mundwerk und lauter Gitarre: Judith Holofernes.

„Guten Tag, ich will mein Leben zurück“ mit dieser Zeile startete die Band „Wir sind Helden“ im Frühjahr, die deutschen Charts gestürmt,kein halbes Jahr später rennen Fans den Helden die Hallen ein. In Berlin wollte die Band ursprünglich nur am Freitag spielen, doch weil das Konzert am Freitag in „Huxley’s Neue Welt“ im Handumdrehen ausverkauft war, mietete der Veranstalter für den nächsten Abend noch die Columbiahalle. Schlechte Nachricht für alle HeldenVerehrer: Auch für dieses Konzert gibt es inzwischen keine Tickets mehr.

„Wir kommen, um die anderen Helden abzumelden“, heißt es auf ihrem Debüt-Album „Die Reklamation“, das es im Sommer auf der deutschen Hitliste bis ganz nach vorne schaffte. „Wir sind Helden“, das sind neben Judith Holofernes noch Mark Tavassol, Jean Michel-Tourette und Pola Roy – alle Mitte bis Ende 20. Nach ihren letzten Konzerten in Oberursel, Erfurt und Dresden kann die Helden-Sängerin am Wochenende endlich mal zwei Abende im eigenen Bett schlafen, in ihrer Kreuzberger Einzimmerwohnung.

Judith Holofernes – mit dem Künstlernamen hat sich die Helden-Sängerin gewissermaßen in ein Zwitterwesen verwandelt. Geht der Name doch auf eine Geschichte im Alten Testament zurück, die von der schönen Witwe Judith und dem feindlichen Feldherren Holofernes erzählt. Nach einem gemeinsamen Mahl in seinem Zelt schlug Judith dem betrunkenen Holofernes den Kopf ab und damit die Feinde in die Flucht. Der Künstlername als Zeichen des Männerhasses? Oder gar der Blutgier? „Ach, was“, winken sie bei der Plattenfirma ab. „Der Name hat einfach so nahe gelegen.“ Er sei ihr bei einer Familienfeier verpasst worden: Judith Holfelder – so heißt die Holofernes im wirklichen Leben. kf

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben