Beginn der Spargelsaison : Stramm stehen für den guten Geschmack

Wegen des milden Winters gab es den ersten Spargel schon vor Wochen zu kaufen. Jetzt hat die Spargelsaison auch offiziell begonnen – präsentiert von einer Königin, die eigentlich als Unteroffizierin dient.

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Korbkommando. Die Choreografie für den offziellen Start in die Spargelsaison ist wie gewohnt von der Stange.
Korbkommando. Die Choreografie für den offziellen Start in die Spargelsaison ist wie gewohnt von der Stange.Foto: Bernd Settnik/ZB

Die entscheidende Frage bei jeder Eröffnung der Beelitzer Spargelsaison fiel am Dienstag aus: „Wie schmeckt er denn in diesem Jahr?“ Denn wegen des milden Winters und des warmen Frühjahrs sind die Verkaufsregale und Straßenkioske schon seit drei Wochen mit der Ware aus der Region ganz gut bestückt. Und jeder Gast des offiziellen Spargelanstichs, der auf einem Feld in Busendorf bei Beelitz stattfand, hatte schon längst probiert – und die Qualität wieder für ganz gut befunden.

Einen entscheidenden Vorteil bringt der frühe Saisonstart für die Spargelliebhaber: Wer sich erst jetzt zu den Brandenburger Spargelhöfen auf den Weg macht, kann rund zwei Euro pro Kilogramm beim Einkauf sparen. Auf dem Spargelhof Simianer in Busendorf kostete die beste Ware 11,99 Euro pro Kilo, der etwas mindere Suppenspargel war schon für 4,99 Euro zu haben. „Angefangen hatten wir mit jeweils zwei Euro mehr“, sagte die Verkäuferin. In den nächsten Wochen dürften die Preise weiter fallen, richten diese sich doch nach dem Angebot. Das steigt jetzt mit jedem weiteren warmen Tag.

Kaum noch Unterschiede zwischen den Höfen

Was der Käufer Freud, ist der Bauern Leid: Sie klagen schon jetzt, dass durch das große Angebot die Preise dauerhaft niedrig bleiben – und so wichtige Einnahmen wegfielen. Inzwischen gibt es zwischen den einzelnen Höfen rund um Beelitz kaum noch Qualitätsunterschiede. Das liegt eindeutig an den Folien, die inzwischen das 1 500 Hektar große Anbaugebiet fast vollständig bedecken. „Damit lässt sich das Wachstum der Stangen wunderbar steuern“, sagte der unabhängige Unternehmensberater Jürgen Schulze. „Die ideale Bodentemperatur liegt zwischen 16 und 22 Grad Celsius. Wird es kälter, dann bilden sich mehr Aromastoffe und der Geschmack wird bitterer.“ Höhere Temperaturen dagegen ließen die Stangen und vor allem die Köpfe sehr weich werden. Die meisten Kunden bevorzugten aber eine gewisse Bissfestigkeit, sagt der Experte.

Deshalb müssten die Spargelbauern eben stets genau die Bodentemperaturen messen, um die Folien bei Hitze von den Feldern zu entfernen und bei einem Kälteeinbruch noch länger über den Pflanzen zu belassen. Der immer mal wieder von einigen Spitzenköchen zu hörende Vorwurf, Folien-Spargel sei von geringerer Qualität, wies der Unternehmensberater zurück. „Ich bin in ganz Deutschland unterwegs und weiß, dass kein Spargelbauer mehr auf die Folien verzichtet“, sagte Schulze. „Da sich aber über Geschmack immer trefflich streiten lässt, tauchen solche Meinungen immer mal wieder auf.“

Zeitsoldatin als "Spargelkönigin"

Die oberste Werbebotschafterin des Beelitzer Spargels trägt in dieser Saison nicht nur ein cremefarbenes Kleid, eine silberne Krone und goldene Schuhe, sondern außerhalb der offiziellen Auftritte auch eine militärische Uniform. Schließlich trägt die 24-jährige Stephanie Bathe im wahren Leben den Dienstgrad Stabsunteroffizier. Die gebürtige Rathenowerin dient als Zeitsoldatin in einer Beelitzer Kompanie und legt in den kommenden Wochen aber oft die Schärpe als „Spargelkönigin 2014“ an. Ihr nächster großer Auftritt wird das Beelitzer Spargelfest vom 30. Mai bis 1. Juni sein. Dann verwandelt sich die kleine Stadt in eine große Feiermeile mit Handwerker- und Gemüsemarkt und „Spargel satt“.

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