Berlin : Begleitung auf dem letzten Weg

Der Verein „Hospiz Oase“ betreut Sterbende und hofft auf Spenden, um Wünsche zu erfüllen

Gunda Bartels

So viele Bewerbungen gab es für unsere Weihnachtsspendenaktion noch nie: Mehr als 160 Mappen von sozialen Vereinen sind eingegangen. Der Spendenverein hat alle sorgsam gesichtet und geprüft. Wegen der großen Nachfrage werden wir in diesem Jahr noch mehr Projekte bedenken. Bis Weihnachten stellen wir die ausgewählten alle zwei Tage vor – und bitten Sie, liebe Leser, um Spenden. Heute: Der Hospizdienst „Hospiz Oase“.

Die Kreuzbergerin Angelika Hill, Mitgründerin und Vorstand vom Verein „Hospiz Oase“, hat mit ihren 37 Jahren schon viele Menschen sterben sehen. Trotzdem oder gerade deswegen macht sie alles andere als einen niedergeschlagenen Eindruck: „Ich habe mal einen Uhrmacher auf seinem letzten Weg begleitet. Der hat mir sogar noch gezeigt, wie die Uhrenmechanik funktioniert.“ Dass der Beruf einen prägt bis ans Lebensende, auch das kann man als Sterbebegleiter lernen; viel ü ber das Leben anderer, aber auch das eigene Leben. Mathias Mießner aus Lichtenberg ist ebenfalls Vereinsvorstand, gerade mal 23 Jahre jung, und Abiturient. Er engagiert sich nach einigen Jahren in der Jugendsozialarbeit seit 2002 beim ambulanten Hospizdienst. „Ich habe einen Aufruf in der Zitty gelesen, fand das interessant und habe dann hier die Ausbildung zum Sterbebegleiter gemacht“. Der Kursus läuft an neun Wochenenden, die über ein knappes Jahr verteilt sind – samt Hausaufgaben, Abschlussarbeit und Praktikum. Die Inhalte reichen von Kommunikation über Sterbebegleitung und Trauerarbeit bis zu Krankheitsbildern und Schmerztherapie. „Es geht um die optimale Betreuung und darum, den besten Weg für jeden zu gehen. Deswegen ist eine fundierte Ausbildung nötig. Sterbebegleitung ist eben viel mehr als Händchenhalten“, sagt Angelika Hill. Obwohl gerade Körperkontakt in den letzten Stunden sehr wichtig für die Todkranken ist.

120 Patienten betreut „Hospiz Oase“ im Jahr in der ganzen Stadt. Derzeit sind es 32. Der überkonfessionelle Verein besteht seit dem Jahr 2000. Von den gut 50 Mitgliedern sind rund 40 als ehrenamtliche Helfer aktiv. Die Miete für die Vereinsräume in der Reichenberger Straße in Kreuzberg, das Schulungsmaterial, die Fahrtkosten und unzählige andere Dinge werden mit Mitgliedsbeiträgen und Spenden bezahlt. „Jeder von uns schießt im Jahr 2500 Euro privat zu“, schätzt Angelika Hill. Schließlich wolle man den Patienten auch mal einen kleinen Wunsch erfüllen und brächte ihnen Blumen, Lieblingsspeisen oder ein Duftöl mit. Von den Spenden der Tagesspiegel-Leser wollen die Ehrenamtlichen und Vereinsmitarbeiter letzte Wünsche erfüllen. Aber auch Computer, Drucker und Beamer müssen dringend angeschafft werden. Außerdem soll Ehrenamtlichen Fahrgeld erstattet werden.

Die Menschen, die sie betreuen, haben Krebs, Aids oder sind demenzkrank. Ärzte, Kirchengemeinden und Sozialstationen vermitteln sie an den Hospizdienst, der sie zu Hause, im Altenheim oder Krankenhaus betreut. „Manchmal sind das wenige Tage, manchmal bis zu zwei Jahren“, sagt Angelika Hill, „in der Regel sind wir einmal die Woche einige Stunden bei ihnen. Wenn der Tod kommt, auch die Nächte durch.“

Ganz wichtig sei auch die Fürsorge für die Angehörigen. Eine 48-jährige Ehefrau, die ihren krebskranken Mann seit zwei Jahren pflegte, sagte Angelika Hill: „Ich würde so gern mal wieder ins Kino gehen.“ Trotz Pflegedienst und Angeboten aus der Familie wollte sie ihren Mann nicht allein lassen. Erst als die Sterbebegleiterin kam, fand sie die Ruhe, sich auch einmal Zeit für sich selbst zu nehmen.

Das Spendenkonto: Spendenaktion Der Tagesspiegel e. V., Verwendungszweck: „Menschen helfen!“, Berliner Sparkasse, Ktnr. 25 00 30 942, BLZ 100 500 00. Onlinebanking ist möglich. Notieren Sie Namen und Anschrift für den Spendenbeleg. Internet: www.tagesspiegel.de/spendenaktion.

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