Berlin : Begrenzt gemeinsam

Kurth (CDU) und Ratzmann (Grüne) streiten in Pankow über Integration

Ausgerechnet die Integrationspolitik hatten sich Peter Kurth und Volker Ratzmann ausgesucht, um schwarz-grüne Gemeinsamkeiten und Gegensätze herauszuarbeiten. Der Pankower CDU-Kreischef und der grüne Fraktionschef im Abgeordnetenhaus stellten am Mittwochabend vor 250 Zuhörern im „Roadrunners Club“ in Prenzlauer Berg fest, dass beide Parteien noch vieles trennt. Doch wichtiger nahmen beide die neuen Gemeinsamkeiten. Ganz gleich, ob es um die umstrittene Ahmadiyyah-Moschee in Pankow, den Sportunterricht für muslimische Mädchen oder den Umgang mit den Rechten muslimischer Frauen geht: Kurth und Ratzmann betonten, dass solche Fragen auf der Grundlage der Rechte und der Demokratie zu lösen seien. Dass es solche Gemeinsamkeiten gibt, war offenbar ein Ziel des Abends. Auf die Gegensätze kamen Kurth und Ratzmann immer dann, wenn es um Intensivtäter ging. Da beharrte Ratzmann auf grünen Bekenntnissen und schloss kategorisch aus, dass Intensivtäter, die nicht aus Deutschland stammen, mit der Abschiebung konfrontiert werden.

Für Henryk M. Broder, den dritten Mann auf dem Podium, zeigte sich daran eine Neigung zur politischen Korrektheit, die er für gefährlich hält. An diesem Abend versuchte Broder, Autor eines Buches über die „Lust am Einknicken“ vor dem Islam, beiden Politikern die Grenzen ihrer parteipolitischen Denkweisen vorzuführen. Sein Spott traf den Grünen Ratzmann etwas öfter als den Schwarzen Kurth. Zumal dann, wenn es um die politische Korrektheit im Umgang mit Berliner Integrationsproblemen ging, beharrte der Grüne auf grünen Bekenntnissen. Ein Mitglied der Ahmadiyyah-Gemeinde behaupte einen Zusammenhang von Schweinefleischkonsum und Homosexualität? Ratzmann fühlte sich an krude Thesen katholischer Priester aus seiner Jugendzeit erinnert, doch Broder wollte von solchen Vergleichen nichts wissen: Derart liberal sei diese Gesellschaft, dass man über den Papst sagen könne, was man wolle. Von dieser Liberalität seien Muslime weit entfernt. Damit am Abend, der ein Aufbruch sein sollte, nicht der Eindruck entstand, das schwarz-grüne Miteinander habe sich schon erschöpft, verabredeten Kurth und Ratzmann das nächste Projekt. Sie wolle Gegner und Befürworter der Ahmadiyyah-Moschee in Pankow zusammenbringen. wvb.

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