Berlin : Beherzt eingegriffen

Nana Heymann

Als er dann auf dem Boden des Bahnsteigs Treptower Park lag, der Täter über ihm hockte und auf ihn einschlug, ging Broer Broers nur ein Gedanke durch den Kopf: „Jetzt bist du fällig.“ In der S-Bahn hatten der 26-Jährige und seine Freundin Simone Gebhardt kurz zuvor zwei farbige Fahrgäste vor ausländerfeindlichen Pöbeleien schützen wollen – und sich damit selbst die Wut der rechtsextremen Randalierer zugezogen. Nur weil seine 31-jährige Lebensgefährtin über Handy die Polizei rief und die Beamten innerhalb kürzester Zeit zur Stelle waren, kam Broers lediglich mit einigen Schürfwunden davon.

Für sein couragiertes Einschreiten in der Nacht zum 3. Dezember wurde Broer Broers am gestrigen Nachmittag von Dieter Glietsch empfangen. Der Polizeipräsident wollte sich persönlich für das selbstlose Handeln des jungen Mannes und seiner Freundin bedanken. Im Kampf gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sei die Polizei auf die Unterstützung aller Menschen angewiesen, die sich Werten wie Toleranz, Weltoffenheit und Gewaltfreiheit verpflichtet fühlen, sagte Glietsch. Broers, der ohne seine Lebensgefährtin kam, weil ihr der „ganze Rummel zu viel“ war, fühlte sich durch die Anerkennung trotz der für ihn schmerzhaften Konsequenzen bestätigt: „Ich würde alles wieder genauso machen.“

Unterdessen sind die Ermittlungen gegen den Haupttäter, der noch auf dem Bahnsteig festgenommen wurde, abgeschlossen. Gegen den 20-jährigen Mann aus Rudow, der eng mit der „rechten Szene verwoben“ und der Polizei schon „seit Langem bekannt“ ist, soll nun Anklage erhoben werden, sagte ein Sprecher. Die Ermittlungen gegen zwei geflüchtete Komplizen laufen noch. Sie gestalten sich schwierig, denn aus Angst vor den Tätern hätten sich nur wenige Zeugen zu einer Aussage bereit erklärt. Auch die beiden farbigen Fahrgäste hätten sich nicht gemeldet.

Um so beispielhafter ist also das Handeln von Broers und seiner Lebensgefährtin. Es solle anderen Menschen als Orientierung dienen, sagte Glietsch. Wichtig sei es, in einer bedrohlichen Situation auf sich aufmerksam zu machen, sich durch gezieltes Ansprechen von Anwesenden Verbündete zu suchen.

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