Berlin : Behindertenintegration: Reine Glückssache

sve

Die Verzögerung beim Nachtragshaushalt holt jetzt auch behinderte Schüler ein: Weil es an den allgemeinbildenden Oberschulen nicht genügend Lehrer für die Behindertenintegration gibt, werden die wenigen Plätze momentan in einigen Außenstellen des Landesschulamtes ausgelost. In den nächsten Tagen erhalten die Familien ihre Bescheide.

Zwar beteuert die Senatsschulverwaltung, dass sie sich nach wie vor für die 60 fehlenden Lehrerstellen stark mache, und dass das Losverfahren "voreilig" sei. Aber die Schulräte verweisen auf rechtliche Vorgaben. "Die Eltern müssen rechtskräftige Bescheide bekommen", begründet etwa die Außenstelle in Reinickendorf die Losaktion am vergangenen Freitag. Nur mit einem solchen Bescheid in der Hand könnten die Familien auch vor Gericht gehen. Damit dürften sie allerdings eher wenig Aussicht auf Erfolg haben: Die schulische Behindertenintegration, bei der Berlin bundesweit Vorreiter ist, stand in der Großen Koalition immer unter Haushaltsvorbehalt. Damit ist das Stellenbudget begrenzt. Ob sich unter einem anderen Senat daran etwas ändert, ist angesichts der Finanzkrise unwahrscheinlich, denn die Integration gilt als kostspieliger als die Betreuung in Sonderschulen.

Etliche Oberschulen hatten sich schon darauf vorbereitet, dass sie nach den Sommerferien Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf aufnehmen würden. Einige Lehrer besuchten entsprechende Fortbildungen und warten nun vergeblich auf die Behinderten. Für Reinickendorf bedeutet die Einschränkung, dass statt 24 nur neun Kinder an der gemeinsamen Erziehung teilnehmen können. Die restlichen 15 müssen nach sechs Jahren erfolgreicher Grundschul-Integration diesen Weg verlassen. "Die Arbeit der Grundschulen geht den Bach herunter", konstatiert eine enttäuschte Lehrerin, deren Gesamtschule sich vergeblich um Integrationskinder bemüht hatte. Sie weiß, dass etliche Eltern klagen werden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben