Behördengänge : Bürgerämter: Wie lange haben Sie gewartet?

Lange Schlangen in den Bürgerämtern - mit diesem Anblick müssen die Berliner wohl auch in Zukunft leben. Aber es gibt ein paar Tricks, um Wartezeiten zu vermeiden. Welche Erfahrungen haben Sie mit Ämtern gemacht? Schildern Sie uns ihre Eindrücke.

Anna Corves
Wartezeiten
Lange Wartezeiten in Bürgerämtern, wie hier in Kreuzberg, lassen sich oft vermeiden, indem man einen Termin vereinbart. -Foto: Mike Wolff

Die langen Schlangen in den Bürgerämtern besonders am Monatsanfang bleiben den Berlinern wohl erhalten. Der Vorschlag der Grünen, die sogenannten Berlinpässe für Hartz-IV-Empfänger gemeinsam mit den Berechtigungen des Jobcenters zu verschicken, lasse sich nicht realisieren, heißt es bei der Sozialverwaltung. „Die Bewilligungsbescheide für Hartz IV werden zentral von der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg verschickt“, sagt Sprecherin Anja Wollny. Die Berlinpässe seien hingegen eine Landesleistung.

Der Berlinpass bündelt Vergünstigungen für die Empfänger von Hartz IV oder Grundsicherung und für anerkannte Asylbewerber. Seit Januar wird er nicht mehr im Jobcenter, dem Sozialamt oder der Ausländerbehörde ausgegeben, sondern in den Bürgerämtern. Bis Mai wurden bereits rund 198 000 Pässe neu ausgestellt oder verlängert – eine Menge Mehrarbeit für die ohnehin hoch frequentierten Ämter. Zwar erhielten die Bezirke in diesem Jahr 639 000 Euro, um den Mehraufwand zu bewältigen, dennoch stoßen einige Bürgerämter offenbar an ihre Belastungsgrenzen. Da die Gültigkeit der Berlinpässe an die Laufzeit der Bewilligungen des Jobcenters gebunden ist, müssen die Pässe regelmäßig verlängert werden, die Belastung der Ämter verringert sich also nicht.

Aber es gibt ein paar Tricks, um besonders lange Wartezeiten zu vermeiden. Die Bürgerämter werben dafür, telefonisch oder online – nicht immer geht beides – einen Termin zu vereinbaren; dann kommt man meist sofort dran. Dabei ist aber unterschiedlich viel Vorlaufzeit einzuplanen: Während in Charlottenburg-Wilmersdorf die Termine oft schon einen Monat im Voraus vergeben sind, reicht in Friedrichshain-Kreuzberg meist ein Vorlauf von zwei bis drei Tagen. Hier gilt zudem: früh aufstehen. Montag, Mittwoch und Freitag um acht sind die Chancen am besten, schnell dranzukommen – da schlafen viele noch.

Das gilt auch für Neukölln, besonders für den Standort im Rathaus, sagt Torsten Vogel, Leiter der Bürgerdienste. Er freut sich über die ferienbedingte Beruhigung: „Wir müssen derzeit den Markenautomaten nicht abstellen, jeder bekommt eine Nummer, alle kommen dran.“ Für Zuhausegebliebene eine günstige Zeit, den Behördengang zu erledigen. Positive Erfahrungen machten Berliner auch im Bürgeramt im Rathaus Schöneberg oder in Mitte in der Karl-Marx-Allee. Mehr Andrang herrscht dagegen in Charlottenburg-Wilmersdorf: „Gerade vor dem Urlaub stellen viele Bürger fest, dass ihre Papiere nicht mehr gültig sind“, sagt Stadtrat Joachim Krüger. Hinzu komme, dass die Außenstellen Cunostraße und Halemweg in den Ferien geschlossen sind. Am wenigsten los sei in der Heerstraße. Generell empfiehlt Krüger die Mittagszeit, vor allem Dienstag und Donnerstag zwischen 14 und 15.30 Uhr gebe es meist „Luft“. Von der Samstagssprechstunde rät er ab. Diese wird nur an wenigen Standorten angeboten und sei überall sehr gefragt.

In Lichtenberg verweist Stadträtin Katrin Framke auf den mobilen Bürgerdienst, der ab und an zum Beispiel vor dem Jobcenter oder dem Kulturhaus Karlshorst parkt. So einen Service wird es „demnächst“ auch in Mitte geben, sagt Fachbereichsleiter Ronald Schäfer: Das mobile Bürgeramt soll dann mittwochs geöffnet haben. Der Mittwoch werde nämlich von den Bürgern bislang eher wenig genutzt. Ansonsten ist aber das Bürgeramt in Mitte – wie in anderen Bezirken – chronisch überfüllt. „Da hilft nur mehr Personal oder mehr Online-Dienste“, sagt Schäfer. Einen Ausbau der Online-Angebote, die den Gang zum Amt ersparen, hält er für realistischer. Anna Corves

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