Behördenposse : Hausarrest und Fußgymnastik für "Lucie"

Nach 29 Jahren soll ein Berliner Gastwirt seinen Graupapagei abgeben, weil dessen Haltung im Lokal einem Gast missfiel. Die anonyme Anzeige "bescherte" dem Besitzer des Restaurants "Die Eins" jede Menge Ärger.

Berlin - Seither musste Gerhard Buch mehrere Behördenbesuche in seinem Restaurant im Haus des ARD-Hauptstadtstudios ertragen. Papagei "Lucie" steht inzwischen unter Hausarrest. Die Tierschutzbehörde droht Buch gar, ihm den Vogel wegzunehmen, weil er nicht ordnungsgemäß beim Bezirksamt Mitte gemeldet worden sei.

Seit vielen Jahren lebt der Papagei - Geschlecht unbekannt - in dem Restaurant und fühlt sich nach Worten von Buch "sehr wohl". Ein Gast sah das anders und machte zuerst eine anonyme Anzeige beim Veterinäramt und dann bei der Tierschutzbehörde. Die Veterinäre verordneten "Lucie" eine Lampe mit künstlichem Tageslicht, zehn Stunden Nachtruhe, Sitzstangen aus verschiedenen Holzarten zur Fußgymnastik sowie einen größeren Käfig - allerdings in Maßen, die es gar nicht gebe, sagte Buch. Die Vorschriften der Behörde zur artgerechten Haltung finde er zynisch: "Für Vogelkäfige gibt es in Berlin genaue Mindestgrößen, für Kinderzimmer aber nicht."

Seit 29 Jahren heimisch

Nachdem Buch die Forderungen umgesetzt hatte, glaubte er sich und "Lucie" gerettet. Kurze Zeit später stand jedoch die Tierschutzbehörde vor der Tür und verlangte nach seinen Personalien: Da "Lucie" beim Bezirksamt nicht aktenkundig sei, müsse sie beschlagnahmt werden.

"Der Vogel steht noch im Restaurant, darf aber nicht entfernt werden", sagte Buch. Seit 29 Jahren kümmert sich der Gastwirt um den Papagei, nachdem der Vorbesitzer ihn nicht mehr haben wollte. Eine Meldepflicht für Vögel gab es damals nicht, deshalb taucht "Lucie" nach Angaben von Buch in keinem Register auf. Bis zum 28. Dezember muss er nun eidesstattlich nachweisen, dass er den Vogel gekauft habe. Sonst wird ihm "Lucie" weggenommen. (tso/dpa)

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