Berlin : „Behördenwillkür“ gegen Quartiersmanagement

Neuköllner CDU fordert Senat auf, das bisherige Team im Rollbergkiez weiterarbeiten zu lassen

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Im Streit um die Quartiersmanager im Rollbergkiez hat sich jetzt die Neuköllner CDU eingemischt. Die Weigerung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, mit dem Quartiersmanager Gilles Duhem weiter zusammenzuarbeiten, kritisiert die CDU als „Behördenwillkür“. Die Quartiersmanager hätten in den letzten Jahren gezeigt, dass man etwas im Kiez verändern kann, wenn man engagiert und kreativ ist, hieß es am Wochenende in einer Mittteilung. Die Kreisvorsitzende der CDU Neukölln, Stefanie Vogelsang, meinte, „Herrn Duhem und sein Team zu entlassen, ist ein Fehler. Es gibt ein superengagiertes Quartiersmanagement, an dessen Arbeit die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung nichts auszusetzen hat“. Wenn nun die zuständige Sachbearbeiterin ein Kommunikationsproblem mit den Quartiersmanagern habe, „wüsste ich, wen ich von der Aufgabe entbinden würde“. Kritische Gedanken seien eben keine „Majestätsbeleidigung“, sondern angesichts immer neuer Probleme in den Innenstadtbereichen absolut notwendig. Vogelsang, die auch stellvertretende Neuköllner Bezirksbürgermeisterin ist, forderte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) auf, „einzugreifen und das erfolgreiche Quartiersmanagement weiter arbeiten zu lassen“.

Die Senatsverwaltung hat sich, wie berichtet, gegen die weitere Mitarbeit des Politologen und Stadtplaners Duhem ausgesprochen, der seit 2002 im Rollbergkiez arbeitet. Er hatte zusätzliche bürokratische Aufgaben kritisiert und eine weitere Stelle für rund 25 000 Euro gefordert. Die Senatsbehörde wiederum nannte den Bürokratie-Vorwurf unbegründet und warf dem 39-Jährigen „sprachliche Entgleisungen“ einer Mitarbeiterin gegenüber vor. Eine Vertragsverlängerung 2007 mit dem Träger des Quartiersmanagements, dem Förderverein „Gemeinschaftshaus Morus 14“ sei nur möglich, wenn dieser auf Gilles Duhem verzichte.

Der Verein lehnt das ab. Nun sucht die Senatsverwaltung nach einem neuen Träger und will ihn möglichst noch in diesem Monat finden. Bis dahin gibt es an diesem sozialen Brennpunkt kein Quartiersmanagement. Die Arbeit des Teams mit Gilles Duhem, Ayten Köse und Renate Muhak gilt als erfolgreich. Sie beziehen seit Jahren die Bevölkerung in zahlreiche Projekte ein und beteiligen auch die Polizei. Die Kriminalität ging seither um 30 Prozent zurück. C. v. L.

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