Berlin : Behring-Klinik verliert Patienten

FU will Orthopädie zurück

Ingo Bach

Die Freie Universität will nach Tagesspiegel-Informationen ihre Poliklinik für Orthopädie von der Zentralklinik Emil von Behring in Zehlendorf abziehen und ins Haupthaus des FU-Klinikums Benjamin Franklin in Steglitz verlagern. Für die Zentralklinik, die jährlich 18 000 Kranke behandelt, bedeutete dies ein schwerer wirtschaftlicher Verlust. 1100 stationäre Patienten gewinnt die Klinik Jahr für Jahr durch die Überweisung aus der Poliklinik, die darüber hinaus noch einmal rund 2000 Kranke ambulant behandelt.

Die Orthopädie-Poliklinik wurde bis vor kurzem von einem Chefarzt geleitet, dem die Zentralklinik im September fristlos gekündigt hatte. Wie berichtet, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Mediziner wegen Körperverletzung. Er soll öfter zu spät in den Operationssaal gekommen sein, wodurch die Patienten unnötig lange unter Narkose bleiben mussten. Derzeit klagt er gegen seine Entlassung vor dem Arbeitsgericht. Der Orthopäde ist gleichzeitig auch ein ordentlicher Professor an der FU und soll dort auch die Poliklinik weiterführen. Die Klinik sei nun mal an eine Hochschulprofessur gebunden, heißt es von der FU. Und man habe keinen Ersatz für ihn, der am alten Standort die universitäre Poliklinik weiterführen könne. Deshalb wolle man sie ans Haupthaus holen.

Doch der Umzug muss warten. Der Verwaltungsdirektor der Zentralklinik, Werner Ukas, hat vor dem Amtsgericht eine einstweilige Verfügung gegen den FU-Plan erwirkt. „Wir können nicht so Knall auf Fall auf die Orthopädie-Klinik verzichten“, sagte Ukas dem Tagesspiegel. Manche Abteilungen seines Hauses müssten sich dann mit einem Male von 20 bis 50 Prozent der Patienten trennen. Außerdem verlören so hunderte Patienten ihre gewohnten Ärzte. Aber Ukas weiß, dass die Trennung unausweichlich ist. Er möchte jedoch einen sanfteren Ausstieg. „Wir wollen mit der Universität über eine längere Übergangszeit verhandeln.“

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