Berlin : Bei Anpfiff geschlossen

Ärger über neue Ausstellung zum Olympiagelände

André Görke

Die Eröffnungsfeier des Dokumentationszentrums „Geschichtsort Olympiagelände 1909 – 1936 – 2006“ begann mit Ärger. Die Ausstellung ist ab heute unter dem Glockenturm zu besichtigen und also rechtzeitig zur Fußball-Weltmeisterschaft fertig – während der WM wird sie allerdings teilweise geschlossen sein. „Einen Tag vor und an den WM-Spieltagen selbst gehört die Fläche zum Sicherheitsbereich des Stadions“, bestätigte Peter Schließer, Abteilungsleiter „Städte und Stadien“ des WM-Organisationskomitees. Von „einem Fifa-Skandal“ sprach Architekt Volkwin Marg, der das Projekt initiiert hat. „Das ist allerschlimmster Turbo-Kapitalismus!“ Nur an den anderen WM-Tagen wird die Ausstellung begehbar sein – wenn die Fans mit ihren Mannschaften wieder abgereist sind.

Oft haben Touristen in der Vergangenheit fehlende Informationen zur Geschichte des Olympiaparks bemängelt. Dies hat auch Architekt Marg – dessen Büro gmp den Flughafen Tegel, den Umbau des Olympiastadions oder den Hauptbahnhof entworfen hat – in einem Gespräch mit dem damaligen Innenminister Otto Schily (SPD) kritisiert. Im Frühjahr 2004 erhielt das Deutsche Historische Museum den Auftrag für das Projekt. 6,6 Millionen Euro wurden investiert. Das Land Berlin übernahm die Kosten für die Sanierung der Tribünen in Höhe von drei Millionen Euro. Der Kulturstaatsminister des Bundes finanzierte die Herrichtung der Ausstellungsräume und die Umsetzung der Ausstellung mit 3,3 Millionen Euro. Ein Teil zahlte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.

Im Innern wird auf vielen, großen Informationstafeln und in Videofilmen und Simulationen die Geschichte erklärt. Das heutige Dokumentationszentrum wurde wie das Stadion von Werner March für die Olympischen Spiele 1936 errichtet. Im Obergeschoss befindet sich die „Langemarckhalle“. Sie sollte an die Schlacht von Langemarck erinnern, bei der im November 1914 zehntausende junge Deutsche ums Leben gekommen waren. Unter den Nazis wurde das Gemetzel als Heldentod verherrlicht. Nun hängen die Schilder der Kriegsdivisonen dort nicht mehr unkommentiert an den Wänden.

Die Ausstellung ist von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt für Turm und Ausstellung: 3,50 Euro für Erwachsene

0 Kommentare

Neuester Kommentar