Berlin : Bei Anruf Cocktails

Dennis Lattek ist der Barmann für alle Fälle. Ein Anruf, und er steht schüttelnd und rührend auf der Matte

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Von Henning Kraudzun

Was haben sich die Barkeeper nicht alles ausgedacht: die Happy Hour, ein gestyltes Ambiente, den DJ hinterm Tresen, Hörspiele und Lesungen, nur um im gastronomischen Wettbewerb den Anschluss nicht zu verlieren. Doch auf das Einfachste sind bislang nur wenige gekommen, ausgenommen eine kleine Lounge in Kreuzberg. Die bietet nach dem Motto „Call a Cocktail“ seit drei Monaten einen Lieferservice für Drinks an.

„Als wir uns Gedanken über den Umsatz gemacht haben, sind wir auf die Idee gestoßen“, sagt Dennis Lattek von der „Mamas Lounge“. Er hatte zuvor mit anderen Kneipiers gesprochen, die das auch schon erwogen hatten, sich aber durch den Aufwand abschrecken ließen. Doch daran sei es bei ihm nicht gescheitert, sagt der 24-Jährige Cocktailbote aus Treptow. Für ein paar hundert Euro wurde das Auto zur mobilen Bar umgebaut, dazu Flyer gedruckt und die Werbetrommel gerührt. Jetzt ist er als erster mit der Idee herausgekommen.

Vor allem an den Wochenenden läuft der Geschäft gut. „Bis zu acht Bestellungen pro Abend können wir aufnehmen, mehr geht mit einem Auto nicht“, sagt Dennis. Dabei könne man überall hin liefern: in den Park, auf Partys, in die Büros. Zwei Kisten mit Spirituosen und Säften verstaut er dann im Renault Twingo, dazu eine elektrische Kühlbox für das Eis, diverse Shaker und vorbereitete Garnituren – und ist in einer dreiviertel Stunde beim Anrufer. Um nicht immer warten zu müssen, bis der seine Cocktails ausgeschlürft hat, serviert er sie zumeist in Einweggläsern. Die aus Glas kosten Pfand, das beim nächsten Mal verrechnet wird.

Fertige Drinks sind indes tabu. „Die dürfen wir nicht liefern, wenn wir keine Strafe beim Gewerbeamt zahlen wollen“, erklärt Dennis. So wird alles auf Tabletts hochgetragen und an Ort und Stelle zusammenrührt. Andererseits mache eine kleine Show mit dem Mixbecher in der Hand ohnehin mehr Spaß. Dabei muss sich der Kunde noch nicht einmal wie beim Pizzaservice vorher festlegen: Insgesamt zwölf Cocktails stehen zur Auswahl, darunter die Klassiker wie Caipirinha, Pina Colada und Mai Tai.

Nach schleppendem Beginn ging es vor allem während der heißen Tage mit dem Umsatz bergauf. „Vielleicht haben die Leute dann keine Lust mehr, sich in die Bars zu schleppen“, vermutet Dennis. Zwei Touristen aus dem Schwarzwald ließen sich die Drinks sogar vor die öffentliche Toilette liefern. „Die waren auch schwer angeschlagen.“ Ansonsten wird er fast nur auf „stinknormale Partys“ gebucht. Kein Problem für ihn: Man sei ja auch zum Arbeiten, und nicht zum Feiern dort, sagt Dennis.

„Flying Drinks“ liefern zwischen 17 und 23 Uhr, am Wochenende bis 1 Uhr. Jeder Cocktail kostet 6, in der Happy Hour (bis 20 Uhr) 4 Euro. Bestellungen unter 2201 3835.

Weitere Infos im Internet:

www.flyingdrinks.de

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