Berlin : Bei Anruf Mord

Andreas Conrad

Als Tag des Mauerfalls gilt der 9. November 1989. Ein Irrtum, filmhistorisch nicht zu halten. Es war bereits der 13. April 1967, als im Londoner Odeon-Kino „Casino Royale“ Premiere hatte. Einer der Handlungsorte: eine Telefonzelle direkt an der Berliner Mauer, darin ein Bösewicht am Hörer, es ist sein letzter Anruf. Per Fernzündung wird die Zelle gesprengt, ein unerhörter Angriff auf das Eigentum der Deutschen Bundespost, dem auch die Mauer nicht standhält: Durch das Loch strömen die werktätigen Massen jubelnd nach Westen. Es ist also historisch nur zu gerecht, dass die zweite Verfilmung von Ian Flemings erstem Bond-Roman, diesmal keine Parodie und mit Daniel Craig statt David Niven als Hauptakteur, heute ausgerechnet am Potsdamer Platz, nahe der ehemaligen Mauerlinie, Deutschlandpremiere feiert. Wieder einmal zeigt sich hier die prophetische Kraft der Kunst, doch stellt der neue Film auch jene zufrieden, die den Mauerzeiten noch heute nachtrauern. Denn wie seufzt doch Bonds Chefin M? „Gott, mir fehlt der Kalte Krieg.“

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