• Bei den Hochschulen droht ein Baustopp ohne Ende - In diesem Jahr muss der Bereich Wissenschaft 96 Millionen Mark einsparen

Berlin : Bei den Hochschulen droht ein Baustopp ohne Ende - In diesem Jahr muss der Bereich Wissenschaft 96 Millionen Mark einsparen

Uwe Schlicht

Senatorin Christa Thoben hat ihren Rücktritt damit begründet, dass sie mit den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln die Aufgaben in dem Doppelressort Wissenschaft und Kultur nicht bewältigen könne. In der Wissenschaft ist Entwicklung tatsächlich dramatisch, weil in diesem Jahr 96 Millionen einzusparen sind. Der größte Teil dieser Summe, nämlich 65 Millionen Mark, betrifft die Hochschulbauten.

Wird diese Summe nicht reduziert, würden fest eingeplante Neubauten dem Rotstift zum Opfer fallen. In Adlershof könnte der Neubau Physik für die Humboldt-Universität nicht begonnen werden, womit der ganze Zeitplan für diesen bedeutenden Wissenschaftspark in Frage gestellt würde. In der Charité, der noch im Jahr 1994 eine Ausbaugarantie im Werte von 800 Millionen Mark gegeben worden war, könnte das Tunnelsystem mit der gesamten für die Versorgung der Kliniken und Institute notwendigen Infrastruktur nicht vollendet werden.

In der Charité wäre auch die Umstellung von 20 veralteten Operationseinheiten in 15 moderne Operationssäle am chirurgischen Zentrum COZ gefährdet. Und der dritte Bauabschnitt für die Innere Medizin, der zugleich wichtig für die Versorgung des benachbarten Max-Planck-Instituts ist, könnte nicht begonnen werden. Die Freie Universität könnte nicht das American Headquarter kaufen und sanieren, das sie als neuen Campus nutzen will. Und die dringend erforderliche Sanierung des aus den 60er Jahren stammenden Klinikums Benjamin Franklin müsste um Jahre verschoben werden.

Für die Freie Universität ist die Situation deswegen besonders prekär, weil sie aus eigener Kraft durch Grundstücksverkäufe die Kaufsumme für das American Headquarter aufbringen könnte. Aber die Erlöse aus den Grundstücksverkäufen hat die Senatsverwaltung für Wissenschaft schon längst verplant. Im konsumtiven Bereich müssen die Berliner Hochschulen nämlich in diesem Jahr 31 Millionen Mark aufbringen. Der größte Teil dieser 31 Millionen Mark, nämlich 27 Millionen Mark, soll durch Erlöse aus Grundstücksverkäufen gedeckt werden. Und für solche Grundstücksverkäufe kommen eigentlich nur die Freie Universität und die Humboldt-Universität in Frage.

FU-Präsident Peter Gaethgens spricht daher schon von Betrug und der ärztliche Direktor der Charité, Professor Eckart Köttgen, warnt die Berliner Politiker vor einem lanfristig wirkenden Glaubwürdigkeits- und Vertrauensverlust in der Wissenschaftsszene.

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