Berlin : Bei der "Berlin Model United Nations Conference" wird international gearbeitet

Simone Bartholomae

Als der französische Delegierte die Rede in seiner Landessprache halten will, unterbricht ihn die Präsidentin der UNO-Hauptversammlung souverän: "Lieber Delegierter, wir lieben Ihre Sprache, aber könnten Sie bitte in der Konferenzsprache Englisch fortfahren", weist Anke Schaffartzik den Redner diplomatisch zurecht. Als der Franzose anfängt, mit ihr zu diskutieren, bricht Heiterkeit unter den 300 Delegierten aus. Und das ist vielleicht einer der wenigen Unterschiede zu einer richtigen UNO-Konferenz: Streitigkeiten, wie um die Sprache, werden mit Humor genommen. Ansonsten läuft die Eröffnungszeremonie des "Berlin Model United Nations Conference" in der John-F.-Kennedy-Schule am Teltower Damm mit feierlichem Ernst ab. An drei Tagen spielen die 15- bis 18-jährigen Schüler aus elf verschiedenen Ländern, darunter Polen, Italien, Griechenland, Israel, Russland und den USA, eine UNO-Konferenz nach. In sieben Kommissionen versuchen sie, Resolutionen zu Themen wie der Ausbeutung von Kindern und der Sicherheit in ehemaligen Konfliktgebieten zu verabschieden. Eine Gruppe schreibt ein "Action Paper", das mit Vorschlägen zur Förderung der Rechte der Kinder - dem diesjährigen Schwerpunkt - an die reale UNO geschickt werden soll.

Bereits zum achten Mal findet das Planspiel an der Kennedy-Schule statt, unterstützt von einem Sponsor aus New York, der die Teilnahme der osteuropäischen Gäste ermöglicht. Ähnliche Modell-Konferenzen gibt es unter anderem in Den Haag, Peking und New York. Bei den Eröffnungsreden am Freitagmorgen überschnitten sich Spiel und Wirklichkeit: Christine Kalb, die Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen und Hans-Otto Bräutigam, früherer Justizminister in Brandenburg, sprachen vor der Versammlung. Als UNO-Generalsekretär trat wiederum ein Schüler, Sebastian Seele, vor das Mikrofon. Dann hielten eine Reihe von Ländern ihre einminütigen Begrüßungsreden. Das Besondere: Die Schüler vertreten nicht ihr Heimatland, müssen sich also in die Situation eines fremden Landes hineindenken.

Dass dies manchmal schwer sein kann, hat die Ungarin Barbara Fränk festgestellt. Sie vertritt die Slowakei und hat sich dabei ertappt, wie sie sich von den realen Problemen zwischen den beiden Länder beeinflussen lässt. Aber genau das ist ein Ziel des Spiels: "Die Schüler sollen lernen, sich in die Sicht anderer hineinzuversetzen", erklärt Katrin Hövermann, eine der beiden Organisatoren. Für die Schüler geht es natürlich auch darum, Spaß zu haben. Die New Yorker zum Beispiel sind begeistert, dass sie zusammen mit den Russen eine Stadtrundfahrt in Berlin gemacht haben. Sprachprobleme gibt es dabei nicht: Alle sprechen sehr gut englisch.

Die Erkenntnis, wie viel jeder aus der Veranstaltung lernt, "kommt erst später", weiß Robert Schürmann, ein früherer Kennedy-Schüler. Jahrelang hat der 21-Jährige mitorganisiert, war Generalsekretär oder Präsident der Vollversammlung. "Wichtig finde ich, dass es hauptsächlich die Arbeit der Schüler ist." Sie entscheiden, wer zur Konferenz zugelassen wird und wer welches Land vertritt oder bringen die Gäste bei Familien unter. Reden müssen geschrieben, Diskussionen geführt werden. Bei Robert waren diese Erfahrungen wegweisend: Er studiert Jura und will sich auf Internationales Recht spezialisieren.

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