Berlin : Bei der Tagung in Berlin geht es um mehr als das bloße Dach überm Kopf

Heik Afheldt

"Eine immerwährende Geschichte" nennt Lothar Juckel, wissenschaftlicher Sekretär der Akademie für Städtebau und Landesplanung, das Thema der Jahrestagung 1999 "Stadt zum Wohnen - Wohnen in der Stadt". Aber die Akzente wandeln sich mit der Zeit. Heute geht es nicht mehr um das bloße Dach über dem Kopf, um die Linderung von Wohnungsnot - von wenigen Randgruppen abgesehen. Nach Jahren, in denen jeweils rund eine halbe Million neuer Wohnungen gebaut worden ist, ist statistisch jeder Haushalt in Deutschland mit mehr als einer Wohnung versorgt. Und jeder hat heute im Durchschnitt 38 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung. Im Durchschnitt! Dabei sind auch die Ausgaben für Mieten auf 24 Prozent vom Einkommen gestiegen. Besser Wohnen kostet eben.

Und der Bedarf nach besseren, möglichst günstigen Wohnungen und angenehmerem Wohnen wächst weiter. Heute geht es in Berlin und in den Städten in den alten und den neuen Bundesländern deshalb um die Sanierung alter Bausubstanzen, um die wachsenden Leerstände in den Großsiedlungen des sozialen Wohnungsbaus aus der Nachkriegszeit, um die Platte, um die "kritische Rekonstruktion" historischer Quartiere. Es geht um kostengünstiges Bauen, um "Wohnen ohne Auto", um Quartiersmanagement.

Berlin liefert für alle diese Stichworte reichliches Anschauungsmaterial. Zwei Beispiele aus Neukölln, die Sanierung der Heidecksiedlung und des Rollbergviertels, präsentierte Rotraut Weeber, Professorin und Planerin aus Stuttgart den 120 Akademiemitgliedern, Professoren, Baustadträten und Planern aus ganz Deutschland. Heute, Samstag fahren sie auf vier Routen zu ausgewählten Beispielen aus 100 Jahren Wohnungsbau durch die Region Berlin Brandenburg - nach Siemensstadt, Hellersdorf, Adlershof und Potsdam-Kirchsteigfeld.

Als Checkliste nehmen sie dann die Erkenntnisse mit, die Helmut Ahuis, Präsident der Akademie, als Fazit aus der Tagung zog: Bindung der Bewohner an die Stadt und Konzentration der Bauflächen, Erneuerung bestehender Quartiere, weitere Förderung des Wohnungsbaus als soziale Verpflichtung, keine Subventionen für Häuslebauer in Streulagen, stärkere Beteiligung der Nutzer an der Gestaltung und Verwaltung von Wohnungen. Wohnungspolitik sei immer weniger nur der Bau von Wohnungen, sondern immer stärker auch die Betreuung der Bewohner und die Moderation von Prozessen in Quartieren und Gebäuden, wie beispielsweise das Zusammenleben von Menschen verschiedener Kulturen. Anders sei der soziale Friede in unseren Städten nicht zu sichern, meinte Ahuis.

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