Berlin : Bei Hausbesuch Speicheltest

Kripo fordert genetischen Fingerabdruck von Hooligans – notfalls per Anordnung

Katja Füchsel

Sie lassen ihre Muskeln spielen, auf beiden Seiten. Je näher die Weltmeisterschaft rückt, desto deutlicher erhöhen die Ermittler den Druck auf die gewaltbereite Szene – mit deutlichen Warnungen, Hausbesuchen und Speichelproben. Derweil parieren die Hooligans mit markigen Sprüchen, schüren die Angst vor Massenschlägereien und Chaos. Der Tiergarten, erklärte gerade erst ein Glatzkopf in den „Tagesthemen“, sei für die Zwecke der Hooligan-Szene ideal: „Rechts ein Wald, links ein Wald – genau das, was wir brauchen für Guerillakämpfe.“

Jens Raupach, WM-Beauftragter bei der Berliner Staatsanwaltschaft, lächelt. Die Ermittler bezweifeln, dass sich die Hooligans gerade im Tiergarten neben der WM-Fanmeile eine ihrer Schlachten liefern könnten. Es wäre ohnehin ein eher kurzes Vergnügen: Sollten 20 Männer mit einschlägigem Aussehen auch nur in die Nähe der Fanmeile am 17. Juni geraten, bräuchte es nur wenige Minuten, um eine Hundertschaft der Polizei zu mobilisieren. „Im Stadtgebiet bleibt so etwas kaum unbeobachtet“, sagt Raupach, „da sind unsere Aufklärer dran.“ Mit den Massenschlägereien der Hooligans rechnen die Fahnder eher am Stadtrand oder im Umland.

49 Tage bleiben noch bis zur WM und die Ermittler sind vorgewarnt. Damit dies auch die Hooligan-Szene weiß, bekommen die einschlägig bekannten Kandidaten derzeit Besuch von der Polizei. Einen Brief und ein Wattestäbchen haben die Beamten immer dabei, um die Hooligans bei dieser Gelegenheit um eine freiwillige Speichelprobe zu bitten. Wer ablehnt, muss befürchten, dass er später zur Speichelprobe gezwungen wird.

Denn, wie berichtet, wollen Berlin und Niedersachsen einschlägig vorbestraften Hooligans vor der WM erstmal den genetischen Fingerabdruck abverlangen. Damit sollen die neuen rechtlichen Möglichkeiten genutzt werden, heißt es bei der Polizei. Im vergangenen November hatte der Bundestag die gesetzlichen Hürden deutlich gesenkt: Nicht mehr nur Schwerverbrecher oder Sexualstraftäter, sondern auch brutale Schläger dürfen nun vorsorglich zum genetischen Fingerabdruck gezwungen werden. Wird der freiwillige Speicheltest verwehrt, kann ein Richter – sofern der Kandidat vorbestraft ist und Wiederholungsgefahr droht – die DNA-Probe anordnen. Rund 300 Männer zählen zur Berliner Hooliganszene, aber nur knapp 20 kämen laut Raupach für eine solche Zwangsmaßnahme in Betracht.

Für Polizei und Staatsanwaltschaft bringt die DNA-Aktion zwei Vorteile: Erstens hofft man, so die Hooligans von der Staatsmacht zu beeindrucken. Und zweitens könnte man in Zukunft nach einer Massenschlägerei ganz anders ermitteln. Bislang hat man sich im Wesentlichen darauf beschränkt aufzuräumen, Scherben, Baseballschläger und Flaschen zu sichern. Weil man sich in der Szene gegenseitig nicht verpfeift, war es bislang oft schwierig, Hooligans ihre Beteiligung an einem Gewaltexzess nachzuweisen. Eine DNA-Datenbank würde laut Oberstaatsanwalt Raupach zukünftig vieles einfacher machen.

Auch wenn der Tiergarten sich vermutlich nicht zum Guerillakrieg eignet, heißt das aber nicht, dass es auf der Fanmeile immer friedlich bleiben muss. Gutes Wetter, viel Alkohol, eine Niederlage – das ist die Mixtur, die der Polizei an allen Orten in der Stadt Sorge bereitet. „Da kann es schon zu Ausschreitungen kommen“, sagt Raupach.

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