Berlin : Bei Hitze beginnt die kleine Eiszeit

NAME

Ist die Länge der Warteschlange ein Indiz für Qualität? Falls ja, ist das Eiscafé Florida in der Spandauer Klosterstraße unschlagbar - im Sommer dort vermutlich die am häufigsten angesteuerte Einrichtung gleich nach Ikea. „Swiss chocolate“ ist die berühmteste Sorte, aber auch die fruchtigen Sachen, Cassis oder Maracuja, kommen gut. Wer den Hals nicht voll bekommt, nimmt seine Lieblingssorte tiefgekühlt mit nach Hause.

Große Gefahr für diesen Eis-Klassiker: Die Gäste aus der Innenstadt könnten schon am Theodor-Heuss–Platz bei Mauritius hängen bleiben. Auch nicht falsch: Charaktervolle Eigenschöpfungen wie Quark-Birne wetteifern mit prächtigen Standards wie der schwarzdunklen Schokolade um Aufmerksamkeit, und im Pralinen-Eis crunchen die Knuspernüsse.

Karpfen fressen gern Eiswaffeln. Auf der Terrasse des Milchhäuschens (Parkstr. 33a) am Weißen See kann man das ausprobieren: Die Waffelreste schwimmen nämlich nur wenige Sekunden auf der Wasseroberfläche, wenn jemand sie vom Cafétisch aus über das Geländer geworfen hat. Blitzschnell schnappt dann ein Karpfenmaul nach den Stücken. Für Menschen, die auf der Terrasse sitzen, bietet sich ein entspannter Blick hinüber zur großen Fontäne und auf Ruderboote im ruhigen Wasser. Hier gibt es den Eisbecher „Weißensee“, das sind drei Kugeln Joghurt mit Ananas, Curacao und Sahne. Oder eben Waffeleis, wegen der Karpfen.

Schon mal Ingwer-Eis probiert oder Orange-Karotte oder Marzipan-Mohn oder…?Das alles gibt es in der kleinen aber feinen Eisbar mit dem eigenwilligen n Franken Grunewald an der Ecke Motz- und Gossowstraße in Schöneberg. Jede Kugel für 55 Cent. Hier kommt auch schon lange nicht mehr nur die Nachbarschaft vorbeigeschleckt. Und auf der kleinen Terrasse kommt man garantiert leicht mit anderen Gästen ins Gespräch.

Die Kugeln von Caffè e Gelato haben es in sich: Große Schokoladensplitter versüßen den „Pocket Coffee“, knackiger Karamel und Nusssplitter machen das „Dolce Latte“ zum Genuss. Dieses hervorragende Eis ist schuld daran, dass auch für Einkaufspassagen-Muffel der Aufenthalt in den Arkaden am Potsdamer Platz ganz erträglich wird. Die Schlangen sind lang, trotzdem dauert’s dank der schnellen, freundlichen Bedienung meist nur ein paar Minuten bis zur Erlösung. Der schönste Platz zum Schlemmen ist draußen, zwei Ecken weiter: Auf den Stufen am Ufer des kleinen Sees hinter dem Musicaltheater kann man in Ruhe sein Eis schlecken und für ein paar Minuten abschalten. Und die Waffel bekommen die Goldfische.

Ein Geheimtipp ist die Eiskonditorei Monheim in der Blissestraße 12 in Wilmersdorf schon lange nicht mehr. Aber sie überrascht jedes Jahr mit neuen Kreationen: Der Renner dieser Saison könnte das neue Sesam-Honigeis werden. Und jede andere 60-Cent-Kugel Schokolade mit Rum, Rhabarber-, Mandel-oder Zimteis verursacht höchste Gaumenfreuden. Die Spezialität der 1928 gegründeten Eiskonditorei ist das halbgefrorene Fürst-Pückler-Eis aus reiner Sahne, das als ganze, halbe Packung oder schnittchenweise verkauft wird. Natürlich gibt es auch die üblichen „Standards“. Und etwas für reine Zitroneneis-Liebhaber: Zitroneneis muss richtig sauer sein, ohne riesige Limonen-Stücke, auf denen man eh nur rumkaut. Für mich ist das Monheim-Zitroneneis das beste in der Stadt. Monheim hat täglich von 9.30 bis 22 Uhr geöffnet.

Um 1540 geschah es. Die Winter wurden kälter und kälter, etwa 1,5 bis 2 Grad. Auf der ganzen Welt dehnten sich die Gletscher aus, um ab dem Jahr 1700 gemächlich wieder abzutauen: Die kleine Eiszeit war vorbei, weltweit. Bloß nicht in der Stargarder Straße 7 in Prenzlauer Berg. Dort dauert sie noch an, und zwar in Form von Joghurt-Eis. Das schmeckt so gut, dass man Schlange stehen muss. Immer. Mindestens eine Viertelstunde. Ist man an der Reihe, beginnt das Sorten-Casting: Nehm’ ich Heidelbeere, oder Schokolade oder Tartufo, Vanille sieht aber auch nicht schlecht aus?! Die Schlange stöhnt. Ach was, keine Experimente. Joghurt, samtweich, sahnig, die beste Wahl. Schlurp. Tropf. Kleb. Knusper. Die kleine Eiszeit darf nie aufhören. bm, cdz, oew, lvt, sib, oom

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben