Berlin : Bei Yan Yan klappte es wieder nicht

Unfälle, Todesfälle und eine Liebesgeschichte: Diese Viechereien bewegten 2002 die Berliner

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Ihre sprichwörtliche Tierliebe haben die Berliner auch 2002 wieder unter Beweis gestellt. Heitere und traurige „Viechereien“ gab es en masse in der Hauptstadt: Die vom SenatsRotstift bedrohten Polizeipferde wurden gerettet, ebenso die schwer verletzte Elefantendame Rani. Zu den Glücklichen gehörte auch Theaterkater Mephisto, der vor dem Hansa-Theater von einem Auto angefahren und schwer verletzt wurde. Nach komplizierter und teurer Operation steht er jetzt wieder auf der Bühne und ist nach Angaben eines Theater-Sprechers stets der „Brüller beim Publikum“.

Die Berliner Polizeipferde landeten nicht auf dem Schlachthof, wie befürchtet, sondern bei Bundesinnenminister Otto Schily (SPD), der sie nach langer Diskussion und Protesten überraschend übernahm – Möhren und Äpfel für die Zossen, Champagner für die Beamten.

Im April gab es ein seltenes Jubiläum: Flusspferd Bulette wurde 50. Das beliebte Zoo-Tier und in dem Alter seltene Exemplar hat eine bewegte politische Vorgeschichte. Vater Knautschke und Mutter Grete durften für die Paarung im geteilten Nachkriegsdeutschland vorübergehend die Grenzen überschreiten – eine tierpolitische Sensation für damalige Zeiten.

Im Zoo lagen Freud und Leid in diesem Jahr dicht beieinander. Babu, das alte Mädchen, die mehr als 50 Jahre alte Orang- Utan-Dame, starb entkräftet an Altersschwäche. Die aus Sumatra stammende Äffin war über Jahre einer der Lieblinge bei den Besuchern.

Schlagzeilen machte der Zirkuselefant Rani, der sich im mecklenburgischen Malchin verletzt hatte und nun in Berlin gesund gepflegt wurde. Die Rettungsaktion begann mit einem Sattelschlepper, der den Koloss in die Tierklinik der Hauptstadt brachte. Mit gebrochenem Oberschenkel hing das Tier, zur Entlastung gezwungen, wochenlang in einem Spezialgerüst. Rani hielt unendlich geduldig durch und schaffte es.

Die tierischste Liebesgeschichte des Jahres spielte sich aber auf dem Bärenfelsen im Zoo ab, wo die kleine pechschwarze Katze Muschi inniglich mit der drei Meter großen Kragenbärin Mäuschen schmuste.

Niemand weiß, woher das Kätzchen kam. Aber es blieb und rollte sich zwischen den Riesenpranken schnurrend zum Schlafen zusammen, konnten die Berliner und ihre Gäste staunend beobachten.

Eine Attraktion blieb weiter die Panda- Dame Yan Yan, die zum fünften Mal künstlich befruchtet wurde. Wieder war alle Mühe vergeblich. Wochenlang stand die Bärin unter ständiger Beobachtung der Tiermediziner, mehrfach wurde bei Yan Yan eine Ultraschall-Untersuchung vorgenommen. Eine berühmt gewordene Gans sorgte ganz im Gegensatz zu Yan Yan für reichlich Nachwuchs. Doretta, vor zwei Jahren von Gerhard Schröder begnadigte und vor der Bratröhre gerettete viel zitierte „Kanzler-Gans“ brachte mit Partner Gert Gössel zur Welt. Im November warb sie in Berlin auf dem Bahnhof Friedrichstraße – allerdings angesichts ihres glücklichen Schicksals etwas unangemessen – für gut kross gebratene Artgenossen aus der Prignitz.dpa

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