Beim Aufbau kann Berlin von Hamburg lernen : Unser kleines Stadtwerk

Das Stadtwerk wird gegründet. Doch wie baut man es richtig auf? Berlin könnte dabei viel von Hamburg lernen.

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Dass das landeseigene Stadtwerk kommt, ist klar. Doch wie soll man es aufbauen? Berlin könnte dabei von Hamburg lernen.
Dass das landeseigene Stadtwerk kommt, ist klar. Doch wie soll man es aufbauen? Berlin könnte dabei von Hamburg lernen.Foto: dpa

Das Stadtwerk wird gegründet, am 24. Oktober wollen SPD und CDU einen entsprechenden Gesetzesentwurf im Parlament verabschieden. Die Aufgabe des Stadtwerks ist, ausschließlich erneuerbare Energien zu produzieren und diese am Berliner Markt zu vertreiben. Als Stromhändler soll das Stadtwerk , das eigenständig oder als Tochter der Wasserbetriebe firmieren soll, aber nicht auftreten. Das ist wie berichtet das Ergebnis des Koalitionsausschusses von Donnerstag.

Nur wie baut man ein Stadtwerk auf, für das der Senat pro Jahr 1,5 Millionen Euro veranschlagt hat? Das Unternehmen soll "organisch wachsen, ohne zunächst eine große Zentrale zu bauen", sagt SPD-Energiepolitiker Daniel Buchholz. Parallel zum Aufbau des Kundenstamms soll zügig in die Eigenproduktion erneuerbarer Energien investiert werden. Für eine Übergangsphase darf das Stadtwerk selbstproduzierten Strom aus dezentralen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen dazukaufen oder bei Bedarf auch Ökostrom.

Das klingt theoretisch, aber Hamburg hat vorgemacht, wie so etwas praktisch funktionieren kann. Hamburg Energie wurde 2009 als Tochter der Hamburger Wasserwerke gegründet, zu 100 Prozent in städtischer Hand. Analog könnte das Berliner Stadtwerk als Tochter der Wasserbetriebe firmieren. In Hamburg nutzte das Stadtwerk Synergieeffekte wie die Gewinnung von Energie aus Abwasser oder Trinkwasser. Auch die EDV und der Kundenservice konnten mitgenutzt werden. Bei einer Million Euro Stammkapital erhielt Hamburg Energie ein Gesellschafterdarlehen von neun Millionen Euro.

"Wir mussten uns auf dem Markt bekannt machen, haben in Werbung und Erzeugungsanlagen investiert ", sagte Unternehmenssprecher Carsten Roth. Drei Monate nach Gründung wurde die erste Photovoltaikanlage in Betrieb genommen. Inzwischen betreibt das Hamburger Stadtwerk 25 Photovoltaik-Anlagen, drei große Windenergieanlagen, drei Blockheizkraftwerke und hat rund 95 000 Kunden. Hamburg Energie kauft den Ökostrom, der zur Versorgungssicherheit dazu gekauft werden muss, nicht an der Börse, sondern bezieht ihn über Direktverträge mit Anlagenbetreibern, die Ökostrom anbieten, der mit einem verlässlichen Gütesiegel zertifiziert ist.

Das Stadtwerk verpflichtet sich im Gegenzug, mindestens 50 Prozent des Jahresverbrauchs der Kunden binnen fünf Jahren aus eigenen regenerativen Anlagen zu erzeugen. "Wir versprechen, dass wir verbindlich in erneuerbare Energien investieren", sagte Roth. 2012 erwirtschaftete das Stadtwerk erstmals Gewinn, das Darlehen wird aus eigenen Erträgen refinanziert. In Berlin will die Stadtentwicklungsverwaltung "schnell Kapazitäten" zur Stromerzeugung aufbauen. Schon jetzt speisen 28 Windräder auf dem Gebiet der Stadtgüter 62 Gigawattstunden ins Netz ein. In einem Gutachten zu Nutzungspotenzialen der Stadtgüter rechnet die landeseigene GmbH vor, dass regenerative Energie für 775 000 Menschen erzeugt werden könne.

Das Gutachten von Senator Michael Müller (SPD) wird nun überarbeitet. Ob die Finanzierung von 1,5 Millionen Euro pro Jahr für ein Stadtwerk ausreicht, bezweifelt nicht nur die Opposition. Darüber werden die Haushälter im Parlament beraten.

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