Berlin : Beim Bau des Tempodroms fehlte es am Durchblick

Matthias Oloew

Alle Beteiligten haben die Baukostenexplosion beim Tempodrom gesehen, nur wirksam gegengesteuert hat niemand. Dieser Eindruck verfestigte sich am Freitag bei der Sitzung des Untersuchungsausschusses im Abgeordnetenhaus. Befragt wurden Mitarbeiter der Landesbank, die damals mit dem Projekt betraut waren. Die Bank hatte einen zu 80 Prozent vom Land verbürgten Kredit an die Stiftung Neues Tempodrom und damit den Bauherren vergeben und sollte die Kostenentwicklung im Auge behalten.

Damit beauftragt war zum Beispiel Ulrich Steinijans, der heute nicht mehr für die LBB arbeitet. Steinijans gab am Freitag zu Protokoll, dass er zwar die Kosten beobachten sollte, bei den wöchentlichen Sitzungen des Bauherrengremiums aber nur „geduldeter Gast“ war. Die Konsequenz: „Während der Sitzungen habe ich nichts gesagt, auch wenn mir das Messer in der Tasche aufging.“ Erst nach Ende der Sitzungen habe er den Beteiligten seine Meinung gesagt. Für ein früheres Eingreifen sei er nicht zuständig gewesen, das hätte das Bauherrengremium unter sich klären müssen. Eine wirksame Buchhaltung habe es nicht gegeben, so dass weder die Kosten geprüft, noch zusätzliche Forderungen der Baufirmen auf ihre Berechtigung untersucht werden konnten. Erst im Herbst 2001, nach der Kontenklärung, sei ihm das Ausmaß der Kostenexplosion deutlich geworden.

Nach Steinijans Aussagen sind sowohl die Bauverzögerungen beim Rohbau als auch behördliche Auflagen für den Schall- und Brandschutz für eine Versammlungsstätte dieser Größenordnung für die Kostensteigerung verantwortlich. Die Frage des Ausschussvorsitzenden Michael Braun (CDU), wie das zu erklären sei, wo doch der Bauunternehmer einen Vertrag mit Festpreis-Garantie für den Rohbau unterschrieben habe, konnte Steinijans nicht schlüssig beantworten.

Der ehemalige Bank-Mitarbeiter meldete die absehbaren Mehrkosten seinem Vorgesetzten, der es wiederum der Wirtschaftsprüfergesellschaft Price Waterhouse Coopers (PWC) melden sollte. PWC war vom Senat beauftragt, das Kostenmanagement der Baustelle zu prüfen.

Steinijans Angaben vervollständigten das Bild vom Chaos auf der Tempodrom- Baustelle. Gegen Ende der Sitzung lieferte sich der Vorsitzende Braun einen Streit mit Steinijans Anwältin, die mehrmals Fragen von Abgeordneten nicht zulassen wollte. Braun war drauf und dran, die Anwältin rauszuwerfen.

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