Berlin : Beim Echo ist alles im Lot

Am Schluss waren sich fast alle einig: Der Schallplattenpreis „Echo“ bleibt auch 2004 in Berlin. Die Lockrufe aus Hamburg konnten die Musikbosse nicht überzeugen. Und Ronald Schill schaffte es erst recht nicht.

Matthias Oloew

Im badischen Rust saßen sie zusammen. Ein lauschiges Hotel, ein Frühstück in kleiner Runde, eine heimelige Atmosphäre. Da nahmen sie die Vertreter von Warner-Music aus Hamburg in die Mitte, und diese gaben schließlich nach. Mit Berlin, so die Warner-Bosse, könnten sie am Ende auch ganz gut leben. Sie hätten den „Echo“ zwar lieber wieder nach Hamburg geholt, aber nach langer Diskussion und den vielen guten Argumenten für Berlin war für die Hanseaten nichts mehr zu holen.

Auch 2004 wird es also wieder im ICC einen großen Auflauf um die Stars der Musikbranche geben. Wieder in zeitlicher Nähe zur Berlinale, damit der „Echo“, der mit den „Brit Awards“ um den Stellenwert rangelt, zumindest terminlich die Nase vorn hat. Das wichtigste Argument für Berlin? Für Oliver Schulten, Geschäftsführer der veranstaltenden Phono-Akademie, sind die Rahmenbedingungen in Berlin schlichtweg ideal: das ICC als Veranstaltungsort, Berlin als Metropole von internationalem Rang (von „Weltstadt“ war die Rede, die in Deutschland konkurrenzlos sei) und die Aufmerksamkeit durch die Medien: „Wir hatten Traum-Quoten in diesem Jahr“, sagt er. Wichtiger Streiter für Berlin sind neben dem Senat natürlich die beiden großen der Musikbranche, die mit ihren Labels in Berlin sitzen: Sony und Universal.

Und natürlich spielen auch die Kosten eine Rolle. Die Bühne, die eigens für die „Echo“-Gala auf das ICC zugeschnitten wurde, lagert in Berlin. „Sie zu transportieren und umzubauen wäre sehr teuer“, sagt Schulten und erklärt so, warum sich eventuelle Offerten, die in Hamburg konkurrierende Colorline-Arena sei unter Umständen billiger zu haben als das Berliner ICC, sich gegenseitig aufrechnen. „Die Konditionen von ICC und Colorline-Arena sind in etwa vergleichbar“, sagt Schulten.

Besonders Hamburg, das sich jüngst erfolgreich um die „Bambi“–Verleihung des Burda-Konzerns beworben hatte, umschmeichelte die Macher der Medienbranche, auf dass sie entscheiden, den „Echo“ aus Berlin abzuziehen. Nicht nur Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust und sein CDU-Parteikollege und Wirtschaftssenator Gunnar Uldall haben sich auf die Fahnen geschrieben, Glamour-Ereignisse nach Hamburg zu holen; neuerdings versucht sich auch die Schill-Partei als Mentor für Galas. „Schill hatte sogar einen Antrag in den Senat eingebracht, die Regierung möge alles tun, den Echo zurückzubekommen“, referiert Oliver Schulten und kichert: „Das hat uns aber nicht weiter beeinflusst.“

Oliver Schulten und die Pro-Berlin-Fraktion haben die Hamburger gleich nach der Entscheidung noch einmal in die Mitte genommen und erklärt: „Das zählt jetzt nur für 2004.“ Für das Jahr darauf ist wieder alles offen. Denn der „Echo“ ist genauso wie der „Bambi“ als Wanderpokal immer mal wieder in einer anderen Stadt gewesen.

In einem Jahr heißt es dann also wieder: neues Spiel, neues Glück.

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