Berlin : Beim Einsteigen mit der Pistole bedroht

Wagen eines Berlin-Besuchers geraubt – Bereits der dritte Fall von Car-Napping in einem Monat

Werner Schmidt

Die Räuber kamen aus dem Dunkel der Nacht: Als Holger S. Sonntagnacht gegen 23.30 Uhr an der Luxemburger Straße in Wedding aus seinem Auto stieg, standen sie plötzlich vor ihm. Rund 1,90 Meter groß, kräftig und bewaffnet. Einer schlug dem 41-jährigen Berlin-Besucher aus Mecklenburg-Vorpommern die Faust ins Gesicht, dann drohte er mit einer Pistole, nahm Holger S. die Zündschlüssel für seinen eben geparkten, grauen Astra ab. Hilflos musste der Mann zusehen, wie sich die Täter in dem Wagen mit dem Demminer Kennzeichen DM-BD 339 setzten und davonfuhren. Bisher sind sie verschwunden.

Es ist bereits der dritte Raub eines Autos innerhalb von wenigen Wochen. Weil Wegfahrsperren und Diebstahlsicherungen an neueren Wagen immer schwerer zu überwinden sind, greifen einige Kriminelle zu brutaleren Methoden.

Wie der 18-Jährige, der Mitte Juli auf dem Potsdamer Platz einem 47-jährigen Autofahrer mit vorgehaltener Waffe sein BMW-Z 4- Cabrio raubte und damit nach Hamburg raste. Auf der Rückfahrt nach Berlin wurde er von der Polizei der Hansestadt auf der Autobahn nach einem provozierten Stau, der zu einer Massenkarambolage von neun Autos führte, überwältigt. Der 18-Jährige war der Polizei wegen anderer Raubdelikte gut bekannt. Erst Anfang des Monats hatten drei Männer, die sich als Polizisten ausgegeben hatten, auf der Frankfurter Allee einen 23-jährigen Kreuzberger gestoppt. Sie zeigten ihm vermutlich gefälschte Dienstmarken, stiegen in den Mietwagen des Kreuzbergers und fuhren davon. Von ihnen fehlt ebenfalls jede Spur.

Hinter den Autoräubern ist bisher keine Organisation erkennbar. Organisierte Autodiebe aus dem Ostblock spezialisieren sich auf Luxuskarossen, die im Auftrag gestohlen werden. Ein Astra, wie er in Wedding geraubt wurde, interessiert keinen Dieb, der für eine internationale Bande arbeitet. Dieser bevorzugt Nobelmodelle der Marken Audi, Daimler-Benz und BMW. Vor den Profis aus dem Osten ist keine Wegfahrsperre sicher. Innerhalb von 30 Minuten sind selbst die modernsten elektronischen Sperren geknackt und das Auto unterwegs Richtung Osteuropa - wenn es nicht in einer Garage im Umland umfrisiert wird.

Die Zahl der gestohlenen Autos sinkt seit 1991 stetig, aber der Wert dieses mobilen Diebesguts steigt. 4000 Fahrzeuge für mehrere Millionen Euro verschwanden 2001 in Berlin spurlos. Gestohlen wurden laut Kriminalstatistik insgesamt 9500 Autos. Die Diebe ließen die meisten nach einer Spritztour mit leerem Tank stehen oder fuhren sie gezielt zu Schrott.

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