Berlin : Beim Fell des Bären

Ein Stück Kindheit: Im Sony Center feierte der Animationsfilm „Jagdfieber“ Premiere. Auch die Synchronsprecher Jürgen Vogel, Alexandra Neldel und Thomas Heinze waren gekommen.

Andreas Conrad

Wenn das Bruno noch erleben dürfte! Ein Kuschelbär mitten in Berlin, liebkost von Kinderhänden, unentwegt zum Posieren vor Filmkameras und Fotoapparaten gebeten, und kein Jäger in der Nähe, der ihm nach dem Leben trachtet. Nun gut, kein echter Bär, nur ein verkleideter Mensch, und die von ihm gemimte Figur heißt auch nicht Bruno, sondern Boog, aber die Welle des Wohlwollens gegenüber allem Bärenhaften ist doch deutlich zu spüren an diesem Sonntagnachmittag unterm Sony-Dach am Potsdamer Platz, kein Meister Petz könnte sich da noch beklagen. Und auch Boogs Kumpel Elliot, der Hirsch mit dem halbierten Geweih, bekommt reichlich Streicheleinheiten ab, Blitzlichtgewitter inklusive.

Einen verregneten Novembernachmittag im Kino zu verbringen, ist nicht das Schlechteste, und wenn dann noch zur Premiere eines „Jagdfieber“ betitelten Animationsfilms für die ganze Familie gebeten wird, darf man auch einiges an Spannung erwarten. Um die Vorfreude noch zu steigern und dem Tagesablauf der jungen Zuschauer entgegenzukommen, hatte Sony Pictures den Nachmittag im Foyer des Cinestar mit der Party beginnen lassen, mit den bei solchen kinderbetonten Feiern üblichen Stationen und anschließendem Einmarsch der Filmprominenz, bis dann die Abenteuer um Boog und Elliot endlich beginnen konnten. Deren deutsche Sprecher Thomas Heinze und Jürgen Vogel waren gekommen, ebenso Alexandra Neldel, die eine Park- Rangerin spricht, Tobias Regner, der den Schlusstitel singt, schließlich Veronica Ferres, Schirmherrin des Vereins Power-Child, die von Martin Bachmann, Chef des Verleihs, einen Scheck für die Vereinsarbeit entgegennehmen konnte.

Gute Voraussetzungen also, dass alle hinterher das Kino mit einem „Grinsen im Gesicht“ verlassen würden, wie es Jürgen Vogel oft gesehen hat, wenn Eltern mit ihren Kindern ins Kino gehen. Für viele seien solche Elternpflichten ja nur ein Vorwand, und dann amüsieren sie sich doch auch selber. Kinderfilm oder Familienfilm – für ihn und Thomas Heinze ist das eigentlich kein Unterschied, wie sie am Vormittag beim Interview im nahen Ritz Carlton erklärten. Auch für sie selbst hatte die Arbeit an einem Film, der sich nicht nur, aber doch zunächst einmal an ein junges Publikum richtet, seinen besonderen Reiz. „Man bekommt ein Stück von der Kindheit zurück“, freut sich Jürgen Vogel, der vor einigen Jahren „Karlsson auf dem Dach“ war, während Heinze so etwas schon immer machen wollte und bereits ganz irritiert war, dass ihn zuvor nie jemand um seine Mitarbeit bei solch einem Film gebeten hatte.

Natürlich liegt „Jagdfieber“ ein ganz altes Grundmuster zugrunde, das mache doch gerade den Reiz aus, da sind sich beide einig. Eine Buddy-Geschichte – wie „Dick und Doof“, wirft Heinze ein, wie „Ein Freund von mir“, schiebt Vogel den Titel seines eigenen neuen Films hinterher. Und ein reiner Kinderfilm sei „Jagdfieber“ schon wegen der vielen Anspielungen und Filmzitate nicht, die das junge Publikum wohl kaum erkenne, das ältere aber schon.

Die beiden sind befreundet, hatten schon früher zusammen gedreht, 1993 in „Dann eben mit Gewalt“, 1996 in „Sexy Sadie“, und immer wieder auf eine gemeinsame Arbeit gehofft. Nach den Probeaufnahmen wurden sie vom US-Studio Sony Pictures Animation, das mit „Jagdfieber“ debütierte, sofort akzeptiert, hatten aber viel Freiheit im Gestalten der Rolle. Im Original wurde Elliot von Ashton Kutcher gesprochen, Boog von Martin Lawrence.

Filme, die sie als Kinder besonders gefesselt haben? Für Heinze war es „Das Dschungelbuch“, obwohl Balu und Mogli ihn noch mehr beeindruckten, als er sie als Erwachsener noch einmal sah. Und Vogel erinnert sich an seinen allerersten Kinofilm noch ganz genau: „Bambi“. Junge, was hat er damals geheult …

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