Berlin : Beim Film ist alles anders

Der Regisseur Percy Adlon debütiert am Sonnabend an der Staatsoper. Ein hartes Stück Arbeit liegt hinter ihm

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Von Deike Diening

Percy Adlon ist keineswegs zu Doris Dörrie gegangen, um sich erklären zu lassen, wie das so ist, wenn man vom Film an die Oper wechselt. „Wissen Sie,“ sagt Percy Adlon, „ich erarbeite mir das lieber selbst.“ Der Mann, soll das heißen, ist nur für eigene, unvermittelte Erfahrung empfänglich. Der Urenkel von Lorenz Adlon hat einmal die Freiheit besessen, „Out of Rosenheim“ zu drehen. Jetzt besitzt er die Freiheit, es mit der Oper aufzunehmen: Donizettis „L’elisir d’amore“, dem Zaubertrank. Deshalb sitzt er am Montagabend bei den „Opera Lectures“ und spricht über seine Erfahrungen.

Zunächst musste er ganz allein da durch, durch das Werben um Respekt vor Sängern und Chor. Da ließ er sie alle, als er sie vor Monaten zum erstenmal sah, in den Stuhlreihen der Oper eine tiefe, gymnastische Verbeugung machen. „So“, sagte er, als sie wieder oben waren, „nennt mich Percy, wir können jetzt anfangen zu arbeiten.“ Da haben sie begonnen, ihn zu mögen. Auch im Wintergarten des Hotels Adlon sind die Zuhörer entzückt. Und Percy konnte einen weiteren Trumpf ausspielen: seinen Vater. Der Tenor Rudolf Laubenthal sang an der Metropolitan Opera in New York. In den Schulferien hat er ihn das Singen gelehrt. An seiner Schule im Chiemgau rief man ihn deshalb auch Parzival. Da mochten ihn die Zuhörer noch mehr.

Das Publikum sieht aus, als würde es ihn ab sofort auch nur noch Parzival nennen wollen. Die Besucher der „Opera Lectures“, das muss man wissen, sind die besten Freunde der Oper. Sie treffen sich seit sechs Jahren im Adlon.

„Beim Film“, sagt Adlon gerade, „da trägt man das Endergebnis in einzelnen Schichten auf: die ersten Bilder, dann den Ton, den Schnitt. Alles hat man einzeln im Kasten. Die Gleichzeitigkeit der Opernbühne verlangt etwas ganz anderes von einem.“ Sieht ganz so aus, als sei es schwerer, eine Oper zu produzieren. „Der Film“, sagt er und klingt beinah sehnsüchtig, „ist irgendwann zu Ende. Eine Oper ist niemals zu Ende. Man muss immer das ganze Konzept im Kopf haben. Es muss vor Publikum sitzen.“ In der Oper prallt die ganze Wucht des Realen auf den Mann, der im Laufe der insgesamt 45 Proben vier Kilo verlor. Ein Fan hat ihn trotzdem erkannt. Von rechts schieben sich jetzt zwei dreieckige Adlon-Servietten mit Goldaufdruck zwischen uns. „Einmal für Kathrin und einmal für Sabine“ soll er sein Autogramm geben. Kein Grund für Percy Adlon, die Miene zu verziehen. Die Oper verlangte Einsatz von ihm: „Zuerst habe ich die Musik auf meinen Computer geladen, und sie dann Takt für Takt gehört.“ Der Bogen Papier daneben wurde immer voller mit seinen Anmerkungen. „Dann ging ich drei Stunden in den Berg, da fielen dann alle Konventionen ab vom Stück.“ Wenn er „der Berg“ sagt, meint er das Massiv hinter Santa Monica, Kalifornien, USA. Dort lebt der Regisseur. Bei der Premiere gibt es nun Regieeinfälle aus dem Topanga State Park. „Improvisationen, Slapstick, absurde Momente, Comedy.“ Kein Problem: Die anwesenden Opernfans sind sowieso auf seiner Seite.

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