Berlin : Beim Heilen hautnah dabei

Operationen und Kathetereingriffe kann man am Sonnabend in Echtzeit am Computer-Bildschirm sehen. Die Besucher von www.gesundheitsberater-berlin.de sind virtuell im Herzzentrum Brandenburg zu Gast.

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Steht eine Operation bevor, wünschen sich viele Patienten, erst einmal beobachten zu können, was dabei im Operationssaal geschieht – ohne dass es ihnen selbst geschieht. Denn die Vorstellung, quasi bewusstlos einem unbekannten Tun ausgeliefert zu sein, macht Menschen Angst.

Zumindest wenn es um die Behandlung von Herzerkrankungen geht, dann möchte der Tagesspiegel am morgigen Sonnabend mithelfen, solche Ängste zu mildern. In Kooperation mit dem Herzzentrum Brandenburg in Bernau, das zur in Berlin beheimateten Immanuel-Diakonie gehört, übertragen wir auf dem Portal www.gesundheitsberater-berlin.de per Livestream verschiedene Eingriffe am Herzen. Dazu hat die Klinik Kamerateams im Einsatz, die aus dem OP und dem Katheterlabor Videos ins Netz übertragen – jeweils live erläutert von den behandelnden Ärzten (Programm siehe Kasten). Auch die Redaktion von Gesundheitsberater Berlin wird während der Übertragung die Bewegtbilder mit Hintergrundinformationen, Links und erläuternden Grafiken ergänzen.

Was genau wird am Sonnabend zwischen 10 und 14 Uhr auf den heimischen Computerbildschirmen zu sehen sein?

Zum Beispiel eine innovative Methode, Herzrythmusstörungen mithilfe von kleinen Erfrierungen zu behandeln. Das Herzzentrum Brandenburg wird diesen Eingriff am Sonnabend an einem Patienten durchführen, der an der häufigsten Form der Herzrhythmusstörung, dem sogenannten Vorhofflimmern, leidet. Über eine Million Menschen sind allein in Deutschland davon betroffen. Dabei schlägt das Herz zu schnell, die Pulsfrequenz beträgt mehr als 100 Schläge in der Minute. Die Symptome können sehr unterschiedlich sein: Das Herz rast, während der Puls sehr schnell oder unregelmäßig ist, es kommt zu Schwindelanfällen, Sehstörungen, Brustschmerzen oder Atembeschwerden. Dabei bilden sich in der Herzkammer möglicherweise sogar Blutgerinnsel, die über die Halsschlagader ins Gehirn gelangen und dort einen Schlaganfall auslösen könnten.

„Das Vorhofflimmern wird durch Stromimpulse verursacht, die von elektrisch aktiven Zentren in den Lungenvenen erzeugt werden, die sich direkt am Herzen befinden“, sagt Christian Butter, Chefarzt der Kardiologie am Herzzentrum. Diese Impulse können den linken Vorhof des Herzens erreichen und dort ein elektrisches Chaos, das Vorhofflimmern, auslösen. Das Ziel der Behandlung ist es folglich zu verhindern, dass die elektrischen Impulse in den Vorhof weitergeleitet werden. Das geschieht, in dem der Arzt das Gewebe der Lungenvenen an der Einmündung in den Vorhof vernarbt und so die Impulsübertragung unterbindet.

Eine relativ neue Methode ist es, die Reizleitungen in der Lungenvene mittels extremer Kälte zu unterbrechen. Dabei wird ein doppelwandiger Ballon in die bis zu vier Lungenvenen geschoben und dort mit flüssigem Stickstoff aufgeblasen, bis er die Vene vollständig verschließt. Der Stickstoff hat eine Temperatur von minus 50 Grad. Diese Kälte muss zwei bis vier Minuten auf die Venenwände einwirken und erzeugt so eine lokal begrenzte Erfrierung, die später vernarbt. „Mit diesem anatomisch orientierten Verfahren kann auf das sonst notwendige zeitaufwendige Erstellen einer Landkarte der Venen vor dem Eingriff verzichtet werden“, sagt Butter. Die Prozedur sei kürzer, damit für den Patienten weniger belastend und schneller für den Arzt zu erlernen.

Doch dies ist nicht die einzige Behandlung, die am Sonnabend live übertragen wird. Zum Programm zählt auch eine minimalinvasive Operation am schlagenden Herzen, bei der eine besondere Herzklappe ersetzt wird, die sogenannte Aortenklappe. Eine in der Herzchirurgie häufige Operation zum Beispiel, weil Herzklappen im Laufe des Lebens verkalken und nicht mehr richtig abschließen, was die Herzleistung mindert. Der Eingriff muss nicht immer bei einem komplett geöffneten Brustkorb geschehen, sondern geht auch über kleinere, sogenannte minimalinvasive Eingriffe.

Hierbei wird die Austauschklappe mit einem Katheter über eine kleine Öffnung am Brustbein direkt bis ins Herz geschoben und verankert. Weil sich die Aortenklappe anatomisch unter dem oberen Ende des Brustkorbes befindet, muss nicht wie sonst üblich der Brustkorb komplett aufgeklappt werden. Bei dieser minimalinvasiven Herzoperation wird das obere Brustbein nur auf sieben Zentimeter Länge aufgetrennt. „Nach einer solchen Ministernotomie erholt sich der Patient schneller, wovon besonders ältere Menschen profitierten“, sagt der Chefarzt der Herzchirurgie Johannes Albes.

Mit einer noch kleineren Narbe kann eine Herzklappe ersetzt werden, wenn diese mit einem Katheter von der Leiste bis ins Herz geschoben wird. Dabei ist die neue Herzklappe an der Spitze des Katheters eingewickelt, um sie durch die Gefäße bugsieren zu können. Die Klappe wird erst am Einsatzort entfaltet. Die nun überflüssige körpereigene Klappe wird dabei quasi zur Seite geschoben. Dieser Form des Klappenersatzes kommt übrigens immer öfter zum Einsatz. Allein in Bernau sind inzwischen mehr als 500 solcher Klappen über die Leiste implantiert worden. Man darf also eine gewisse Routine bei der Live-OP erwarten.

Übrigens: Wer noch näher dran sein möchte, kann am Sonnabend auch direkt ins Herzzentrum Brandenburg fahren. Alle Veranstaltungen stehen an diesem Tag allen Besuchern offen.

Die Liveübertragung startet am Sonnabend um 10 Uhr auf der Internetseite www.gesundheitsberater-berlin.de

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