Berlin : Beim Nachtbaden kommt Berlin ins Schwimmen

Das späte Planschen ist ein Renner. Nur in der Trendhauptstadt nicht

Till Schröder

In Bad Bibra war es ein Renner, in Pößneck und Rüsselsheim schwärmen die Leute noch heute davon – vom Nachtschwimmen in den Freibädern. Die Provinz macht der Trendhauptstadt Berlin etwas vor. Im sachsen-anhaltinischen Bad Bibra hatten sich am vorigen Mittwoch bei Vollmond Hunderte Besucher bis Mitternacht im 25 Grad warmen Wasser vergnügt oder auf der dazugehörigen Terrasse „bei gefühlvoller Schlagermusik das romantische Flair“ genossen, wie die Lokalpresse meldete. In Berlin dagegen möchten die Bäderbetriebe kein Nachtbaden veranstalten. Zu gefährlich, heißt es dort. Die Freibäder hätten keine Flutlichtanlage. Deshalb könnten die Rettungsschwimmer ihre Arbeit nicht tun. In der Senatsverwaltung für Sport möchte man sich überhaupt nicht zu der Idee einer langen Nacht der Freibäder äußern. Die Begründung: Die Berliner Bäderbetriebe seien ein eigenständiger Betrieb. Die haben das zu entscheiden.

Auch bei Strandpartys ist das Baden bei Dunkelheit verboten. Wenn im Strandbad Wannsee morgen das Konzert „NRJ in the Park“ stattfindet, stellen sich nach Sonnenuntergang Sicherheitsleute an der Wasserlinie auf, um ein nächtliches Bad der Musikfans zu verhindern.

Private Badpächter begrüßen dagegen die Idee einer „langen Nacht der Freibäder“. „Wenn die Veranstaltung durch eine große Marketingaktion entsprechend gefördert wird und die Schwimmfläche gut ausgeleuchtet ist, fände ich das gut“, sagt Richard Grunke, Pächter der Freibäder Plötzensee, Tegel und Lübars. Technisch sei das denkbar. „Natürlich muss das Wetter mitspielen. Und auch für die Anwohner ist der Lärm durch den nächtlichen Badebetrieb immer eine Belastung. Das muss man abwägen.“

An den Beschwerden der Nachbarn über den Lärm scheiterten letztes Jahr die Betreiber des Freibads Halensee. Die Wasserballer vom Verein „Spandau 04“ hatten ihre Strandbar bis spät nachts geöffnet. Dieses Jahr schließt das Bad wieder um 19 Uhr. Dagegen veranstaltet der neue Pächter Oliver Schulz vom Strandbad am Weißen See „jede Nacht eine lange Nacht“. Die Bar hat geöffnet, bis der letzte Gast geht. „Um 20 Uhr weisen wir die Gäste darauf hin, dass der Rettungsschwimmer nach Hause geht. Die Gäste baden dann auf eigene Gefahr“, sagt Schulz. Kinder dürften dann nicht mehr ins Wasser. Auch wer angetrunken sei, werde vom Wasser ferngehalten. Nicht nur als Bad, sondern auch als Kulturveranstaltungsort will Schulz das Strandbad nutzen. So will er nächstes Jahr eine Filmleinwand im See aufstellen und nachts den Badenden großes Kino bieten.

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