Berlin : Beim Wähler wächst die Wanderlust

Rund ein Drittel der Stimmberechtigten entschied sich für eine andere Partei als bei der letzten Wahl

Bernd Matthies

Der klassische Stammwähler, der seine Stimme stets nur einer Partei gibt, ist weiter auf dem Rückzug. Dies bestätigen die Analysen von Infratest dimap jetzt auch für die Berliner Wahl: Von den Wählern, die 2001 und jetzt ihre Stimme abgaben, wechselten 31 Prozent, also fast ein Drittel, zu einer anderen Partei. Der zahlenmäßig auffälligste Wählerwechsel fand dabei zwischen SPD und Linkspartei/PDS statt: Die SPD gewann von der PDS 29 000 Anhänger. Verloren gingen den Sozialdemokraten Wähler vor allem an die Grünen und die kleinen Parteien, die SPD war aber umgekehrt auch jene Partei, die für die Neu-Berliner am attraktivsten war: Beim Saldo von Zu- und Abwanderern gewann sie 23 000 Stimmen und schnitt dabei somit am besten ab.

Die CDU verlor die meisten Altwähler an die kleinen Parteien, konnte aber gegenüber SPD und PDS sogar kleinere Gewinne verbuchen. Sie gab aber vor allem an die Nichtwähler ab und hatte die schlechteste Bilanz aller Parteien beim Generationswechsel, dem Saldo von Erstwählern und Verstorbenen: minus 30 000. Der Saldo der Umzüge fiel dagegen leicht positiv für die CDU aus.

Die Linkspartei/PDS hat praktisch an alle Mitbewerber verloren, nicht nur an die SPD, sondern auch an die WASG, die Grünen und die kleinen Parteien, und das in jeweils fünfstelliger Zahl. Auch bei den Ortswechslern und dem Generationswechsel waren die Verluste der Linken/PDS hoch – kein einziges positives Wählerströmchen findet sich in der Infratest-Analyse.

Die Grünen waren diesmal die einzige Partei, die in absoluten Zahlen mehr Wähler für sich gewinnen konnte als 2001: Hinzu kamen insgesamt 31 000. Diese Wähler kamen vor allem von SPD und PDS, auch von der FDP. An WASG und andere kleine Parteien verloren die Grünen in geringem Maße, und sie mussten auch 12 000 Stimmen an das Nichtwählerlager abgeben. Sie konnten dies aber durch Gewinne bei Orts- und Generationswechsel mehr als kompensieren.

Die FDP verlor die meisten Stimmen in Richtung Nichtwähler und konnte nur im Austausch mit der Linkspartei/PDS einen kleinen Gewinn in Höhe von 2000 Stimmen für sich verbuchen. Auch die Bilanzen der Zu-/Fortzüge und des Generationswechsels fielen deutlich negativ für die Freidemokraten aus.

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