Berlin : Beim Zappen bleibt’s duster

Die Umstellung auf das digitale Fernsehen hat begonnen. Mit Antenne allein kann bald niemand mehr zuschauen

Tanja Buntrock

Die Laufbänder der Fernsehsender verkünden es schon seit Anfang Februar, jetzt wird es ernst: Seit gestern ist RTL2 terrestrisch nicht mehr zu empfangen. Ab dem 1. März werden alle anderen Privatsender, die bisher über die Antenne zu sehen waren, abgeschaltet. Damit hat die Umstellung auf das digitale Fernsehen in Berlin und Brandenburg begonnen. DVB-T (Digital Video Broadcasting – Terrestrial) nennt sich die neue Technik. Berlin ist mit der Einführung Vorreiter. Bis 2010 soll DVB-T die herkömmliche analoge Fernsehübertragung in ganz Deutschland abgelöst haben.

Für rund 250 000 so genannter „Antennennutzer“ in Berlin und Umgebung hat das ganz praktische Folgen: Drücken sie ab kommenden Monat wie gewohnt ihre Programmtasten, bleibt der Bildschirm zunächst einmal schwarz – auch bei den öffentlich-rechtlichen Sender ARD, ZDF und SFB1. Der ORB hat bereits gestern die Frequenz gewechselt. Doch die Nutzer müssen nur einmal ihre Sendesuchlauf-Taste betätigen, dann empfangen sie zumindest für eine Übergangszeit die öffentlich-rechtlichen Sender wieder. Diese werden noch bis zum Ende der Internationalen Funkausstellung (IFA) Ende August über schwächere Sender und geänderte Kanäle analog ausgestrahlt und sind somit noch wie gehabt zu sehen. „Wer nicht gerade ungünstig für den Empfang im Hinterhof wohnt, kann die öffentlich-rechtlichen Programme erst einmal weiter sehen“, sagt Sascha Bakarinow von der Medienanstalt Berlin Brandenburg (MABB).

Doch spätestens ab September kommen auch diese Zuschauer um eine „Set-Top- Box“ nicht herum. Nur mit Hilfe dieses Zusatzgerätes ist der digitale Empfang möglich – sofern man nicht Kabel- oder Satellitenfernsehen-Nutzer ist. Die Set-Top-Box wird entweder über die Scart-Buchse oder über den Antenneneingang an den Fernseher gestöpselt. Das kostengünstigste Gerät liegt im Handel derzeit bei 179 Euro (siehe Kasten). Grundsätzlich kann für den Empfang die Dachantenne weiter benutzt werden. Steht keine zur Verfügung, genügt auch eine Zimmerantenne.

So sind mit der Set-Top-Box und einer gewöhnlichen Antenne künftig mehr Programme in digitaler Qualität – auch ohne zusätzliche Gebühren für Kabel- oder Satellitenfernsehen – empfangbar. Die Antennennutzer können nun bis zu 24 Programme sehen. Darunter sind auch Sender, die bislang nur über Kabel oder Satellit ausgestrahlt worden wie beispielsweise Phoenix, N24, der Kinderkanal oder MTV. Hinzu kommen neue digitale Programmangebote der Fernsehanstalten wie „ZDF doku“ und „ZDF info“.

Die Umstellung auf das digitale Fernsehen erfolgt, weil die Verbreitung über die Antenne für die Sender zu unwirtschaftlich geworden ist. Neben der besseren Empfangsqualität nennt die MABB noch einen weiteren Vorteil des Digitalfernsehens, das von ihr auch als „Überall-Fernsehen“ beworben wird: Denn ob im Kleingarten oder sonstwo – in naher Zukunft werden die Zuschauer überall mit klarem Empfang fernsehen können. Dazu ist ein Laptop ähnliches Gerät mit integrierter Set-Top-Box und Steckkarte nötig. Rund 1500 Euro kostet der Spaß allerdings derzeit noch.

Mehr zum Thema im Internet:

www. ueberallfernsehen.de

www.mabb.de

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