Bein gestellt? : Stewardess und Reiche erneut vor Gericht

Der Bundestagsabgeordneter Steffen Reiche steht vor Gericht Er soll Stewardess zum Straucheln gebracht haben. Der Streit währt seit fast zweieinhalb Jahren.

Kerstin Gehrke

BerlinSie zeigten ihre Füße. Erst der Bundestagsabgeordnete Steffen Reiche von der Anklagebank aus, dann die belgische Stewardess Natascha O. als Zeugin. Und sie waren sich auch im Gerichtssaal nicht einig. Wo hatte der SPD-Bundestagsabgeordnete denn nun auf dem Rückflug von Brüssel nach Berlin seine Füße? Standen sie tadellos unter dem Vordersitz, wie Reiche stets beteuerte? Oder ragte ein Bein ausgestreckt in den Gang und wurde absichtlich zum Stolperbein? Der Streit ist seit fast zweieinhalb Jahren in der Welt und wird seit gestern erneut vor dem Amtsgericht Tiergarten verhandelt.

Es geht um versuchte Körperverletzung. „Ohne rechtfertigenden Anlass“ habe Reiche der Flugbegleiterin ein Bein gestellt, hieß es in der Anklage. „Nur durch ihre Aufmerksamkeit“ habe Zeugin O., die gerade Getränkebecher einsammelte, ein Hinfallen vermeiden können. „Ich kann ausschließen, dass meine Füße zu dem Zeitpunkt im Gang standen“, konterte Reiche. „Ich kann ausschließen, dass ich der Stewardess ein Bein gestellt habe.“ Der 48-jährige frühere brandenburgische Bildungsminister und Pfarrer im Ruhestand hatte gegen einen Strafbefehl über 3000 Euro Einspruch eingelegt und so für den Prozess gesorgt.

Im Januar war der erste Prozessanlauf geplatzt, weil die wichtigste Zeugin gerade Mutter geworden war und nicht auf Reisen gehen konnte. Diesmal aber war sie da: Natascha O., 37 Jahre alt, jetzt freiberufliche Journalistin. „Der Herr war bereits beim Einstieg verärgert, weil er keine deutschsprachige Zeitung bekam“, sagte die Zeugin. Dann habe es auf dem Flug SN 2589 am 12. Januar 2007 einen Disput gegeben, weil sie ihn, der in der Economyklasse saß, nicht zur Toilette in der Businessklasse ließ. Als die Landung bevorstand, habe er sie dann beinahe zu Fall gebracht. „Sein Bein ging etwa zehn Zentimeter hoch. Ich musste mich an den Sitzen festhalten.“

Reiche reagierte kopfschüttelnd. Nach seiner Version gab es keinen Disput – auch wenn sich die Stewardess teilweise unfreundlich verhalten und sein Weinglas unwirsch weggeräumt habe. Während des Fluges habe er sich über den Gang hinweg intensiv mit dem Klimaforscher Ottmar Edenhofer unterhalten. Der Professor bestätigte nun: „Meine und seine Beine waren unter dem Sitz.“ Und das mit dem Weinglas sei doch eine Petitesse gewesen. Mit der Befragung mehrerer SPD-Politiker, die damals mit im Flieger saßen, geht der Prozess am 15. Juni weiter.

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