Beissstatistik : "Der beißt nur ganz selten!"

Die Zahl der Hundeattacken auf Menschen ist gesunken - obwohl die Berliner immer mehr Hunde halten. Um die Situation weiter zu verbessern, wollen Tierschützer nun einen "Halterführerschein".

Stefan Jacobs
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Vorsicht, bissig. Im Jahr 2008 gingen American Staffordshire-Terrier 16 Mal auf Menschen los. -Foto: ddp

Die Berliner Hunde vermehren sich, aber sie beißen seltener. Das ist der "Hundebissstatistik" des Senats zu entnehmen, die die Gesundheitsverwaltung jetzt auf Anfrage der Grünen-Abgeordneten Claudia Hämmerling vorgelegt hat. Demnach waren Ende 2008 knapp 109.000 Hunde in Berlin steuerlich gemeldet, rund 1400 mehr als ein Jahr zuvor.

Die Zahl der gemeldeten Fälle, in denen Menschen gebissen wurden, sank dagegen von 859 auf 716. Bei den zehn als gefährlich eingestuften Hunderassen wie Pitbull & Co. ging die Zahl der Attacken sogar von 66 auf 29 zurück. Das ab dem Jahr 2000 schrittweise eingeführte Hundegesetz mit Auflagen für diese Hunde und ihre Halter bewährt sich also. Aber es hat Nebenwirkungen: Tierheim-Sprecher Marcel Gäding sagt, dass von zurzeit 280 beherbergten Hunden etwa 100 auf der Liste der Gefährlichen stünden "und dadurch schwer vermittelbar sind".

Gefährliche Hunde
In der Beißstatistik liegt der Boxer mit 15 Fällen, "in denen Menschen verletzt oder gefahrdrohend angesprungen wurden" im Mittelfeld. Der Boxer steht in Berlin nicht auf der Liste der gefährlichen Hunde. Weitaus am häufigsten attackieren Mischlinge in Berlin Menschen. 263 Fälle wurden in einem Jahr insgesamt aktenkundig. In dieser Bildergalerie zeigen wir eine Auswertung der Vorfälle nach Hunderassen anhand der zuletzt verfügbaren Statistik aus dem Jahr 2010.Alle Bilder anzeigen
1 von 6Foto: Wikimedia Commons
28.02.2012 08:19In der Beißstatistik liegt der Boxer mit 15 Fällen, "in denen Menschen verletzt oder gefahrdrohend angesprungen wurden" im...

Sowohl der Tierschutzverein als auch Hämmerling finden, dass im Hundegesetz zu stark auf die Rassen und zu wenig auf die Hundehalter geachtet wird. Hämmerling plädiert für einen verpflichtenden "Hundeführerschein" für die Halter von Exemplaren ab 17 Kilogramm  Gewicht oder mindestens 40 Zentimeter Schulterhöhe. Denn bei solchen Hunden gebe es sehr viele mittelschwere Vorfälle, die zu bekämpfen ebenso wichtig wäre wie die wenigen spektakulären Kampfhundattacken. So stehen beispielsweise die Schäferhunde  mit 106 (2007: 148) Vorfällen weit oben in der Liste - auch deshalb, weil es relativ viele von ihnen gibt. Durch einen Führerschein könnten die Halter Basiswissen über den Umgang mit Hunden erlangen und würden nebenbei für Dinge wie das ewige Tretminen-Ärgernis sensibilisiert, glaubt Hämmerling. Gäding fände sogar eine generelle Ausbildung für Hundehalter sinnvoll: "Wir merken ja, wozu es führt, wenn sich Leute unüberlegt einen Hund anschaffen." Viele unterschätzten bereits die Kosten für Futter und Impfungen, die sich pro Jahr leicht auf weit mehr als 1000 Euro summieren könnten.

Höhere Steuern für gefährliche Hunde sind nach Auskunft der Gesundheitsverwaltung in Berlin aber kein Thema. Zulässig wäre ein solcher Zuschlag auf Basis der Rasseliste durchaus, wie das Verwaltungsgericht Baden-Württemberg in der vergangenen Woche festgestellt hatte. Die Halterin eines American-Staffordshire-Terrier hatte geklagt, weil ihre Kommune 600 Euro Hundesteuer verlangte, während für andere Rassen nur 81 Euro fällig werden. Hämmerling könnte sich für Berlin einen anderen Ansatz vorstellen: Strafsteuern für Hunde, die bereits zugebissen haben. Dann würden viele Halter vorsorglich besser aufpassen.  

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