Berlin : Beistand von der Familie

Ein weiteres Brandopfer ist gestorben Überlebende Angehörige klagen die Helfer an

Tanja Buntrock

Die Ärzte und das Pflegepersonal kämpften bis zum Mittwochvormittag um das Leben von Ferdane L. (38). Doch die schweren Verbrennungen kombiniert mit einer „massiven Rauchgasvergiftung“, wie die Ärzte sagen, haben zum Tode der Mieterin aus dem Haus in der Ufnaustraße geführt. Damit ist die Kosovo-Albanerin das neunte Todesopfer nach dem verheerenden Feuer in der Nacht zu Dienstag in dem Moabiter Mietshaus. Ihre Tochter Shkurte, 15, war in ihrer Panik vor den Flammen aus rund 15 Meter Höhe aus dem Fenster gesprungen. Sie liegt immer noch mit lebensgefährlichen Verletzungen in der Charité.

Hier, auf dem Campus der Klinik, vor dem Eingang zur Intensivstation, stehen auch die Verwandten von Margarethe F. (37). Die Mutter sitzt am Krankenbett ihres 14-jährigen Sohnes Nico. Ihr Mann Marek (35) und ihre Kinder Anita (17), Nicole (11) und Alberto (7) sind bei ihrer Flucht durch das verqualmte Treppenhaus ums Leben gekommen. Margarethe F. sagt, sie selbst habe nur überlebt, weil sie kurz vor Ausbruch des Feuers Zigaretten holen gegangen sei. „Als ich wiederkam, da brannte schon alles“, erzählt sie unter Tränen. Ihr Sohn Nico, bei dem sie gerade am Krankenbett saß, werde künstlich beatmet. Er habe schwere Gesichts- und Beinverbrennungen. Am Donnerstag werde er noch einmal operiert. Als die Mutter vor ihre Verwandten tritt – rund 20 aus der Familie waren versammelt – bricht sie erneut in Tränen aus.

Margarethe F. möchte keine weitere Nacht im Krankenhaus verbringen, denn „sie soll nicht mehr mit Valium voll gepumpt werden“, sagt ihre Tante Anna A. Wie der Rest der Großfamilie weint sie, schüttelt immer wieder den Kopf und kann nicht verstehen, „dass die Feuerwehr nicht geholfen hat“. Sie klagt die Retter an: „Wie hätten die Kinder bei dem Lärm denn hören sollen, was die Feuerwehrmänner rufen?“ Und: „Alle Kinder können Deutsch. Wieso haben die Retter kein Megafon benutzt?“

Immer wieder dreht sich die Diskussion nur um eines: „Warum haben die Helfer den Kindern im fünften Stock keine Atemmasken zukommen lassen?“ Die Familie steht im Halbkreis um die weinende Mutter. „Ein brennender Kinderwagen?“, fragt sie voller Wut: „Das kann nicht sein. Es muss eine Bombe gewesen sein. Wir haben doch eine Explosion gehört.“ Dann fährt sie ein Cousin zur Gerichtsmedizin: Sie möchte ihre drei toten Kinder und ihren Mann noch mal sehen.

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