• BEK Betrüger: Griff in die Ersatzkasse - Mitarbeiter der Barmer brachte 2,4 Millionen Mark auf die Seite

Berlin : BEK Betrüger: Griff in die Ersatzkasse - Mitarbeiter der Barmer brachte 2,4 Millionen Mark auf die Seite

Peter Murakami

"Es tut mir Leid, dass ich meine Familie in eine solche Lage gebracht habe", sagte Klaus Dieter H. am Montag beim Prozessauftakt wegen Untreue vor dem Berliner Landgericht. Der 40-jährige leitende Mitarbeiter der Barmer Ersatzkasse soll laut Anklageschrift zwischen 1993 und 1998 über 2,4 Millionen Mark mit fiktiven Leistungsabrechnungen erschwindelt und über die Konten von fünf mitangeklagten Frauen in die eigene Tasche geleitet haben.

Obwohl er das Geld nur veruntreut haben will, weil er der Familie seiner mexikanischen Ehefrau aus einer finanziellen Notlage helfen wollte, wurde bereits bei der Vernehmung der Mitangeklagten deutlich, dass er sich nicht nur in strafrechtlich relevanter Hinsicht untreu verhielt. Auch den fünf Frauen und seiner Familie gegenüber war er nicht gerade treu.

So sagte seine Komplizin, die 55 Jahre alte Karin J., aus, dass sie bereits seit 1986 ein Verhältnis mit Klaus Dieter H. unterhalten habe. Die 15 Jahre ältere Frau, die in der Buchhaltung der Barmer Ersatzkasse arbeitete, war ihrem Freund nur zu gerne in den finanziellen Notlagen behilflich und wies bereits abgerechnete Zahnarzt- und Krankenhausrechnungen erneut zur Zahlung an, erst hin und wieder kleinere Beträge, bald fünfstellige Summen. Zunächst habe sie das Geld noch direkt auf das Konto von Klaus Dieter H. überwiesen, sagte sie. Bald sei dies aber nicht mehr möglich gewesen, weil die Beträge immer höher wurden. Deshalb mussten andere Konteninhaber gefunden werden.

Kassenmitglieder wie die 54-jährige Christa K., die ebenfalls dem Charme des dicklichen Mannes mit den leicht hervorstehenden Augen und dem flinken Mundwerk verfiel. Sie hatte Klaus Dieter H. bei der Geschäftstelle der Barmer Ersatzkasse kennen gelernt und war, wie sie vor Gericht aussagte "sehr von ihm angetan". Dennoch habe sie seine Versuche, sich mit ihr zu verabreden, zurückgewiesen, weil sie wusste, dass er eine Frau und Geliebte hatte. "Ich wollte nicht die dritte im Bunde sein", erzählte sie dem Vorsitzenden Richter Baae. Dennoch akzeptierte sie den Mann, der ihr nach wie vor schöne Augen machte, rasch als ihren "besten Freund". Er bat sie mehrfach, sie möge ihm ihr Konto für Überweisungen zur Verfügung stellen. Doch Christa K. lehnte ab. "Ich hatte mich gerade selbstständig gemacht und hatte Angst vor dem Finanzamt."

H. gab nicht auf. Als Christa K. in Tunesien von einem Kamel getreten wurde, war er es, der dafür sorgte, dass ihr die Auslands-Arztkosten in Höhe von 99 Mark erstattet wurden. "Mach dir keine Sorgen. Jetzt bin ich dein Kundenbetreuer", hatte er der alleinstehenden Frau erzählt. Nachdem er durch diese Überweisung an die Bankverbindung von Christa K. gekommen war, überwies ihr der "Traummann" fortan ohne Zustimmung Beträge zwischen 15 000 und 20 000 Mark, die er meist am darauffolgenden Tag bei Christa K. abholte.

"Haben Sie nie Verdacht geschöpft?", wollte der Richter wissen. Nein, antwortete die Zeugin: "Er sagte mir, dass er mit seiner Frau in Scheidung lebe und keine Lust habe, ihr die Hälfte von seinem Einkommen abzutreten - gerade jetzt, wo er gerade so gut verdiene. Ich hatte keinen Grund, das zu bezweifeln."

Auch die 54 Jahre alte Keramikerin Monika B. verfiel Klaus Dieter H. und seinen Geschichten. Sie wurde rasch seine Geliebte und musste nicht nur ihr Konto zur Verfügung stellen. "Montags bis Freitags musste ich für ihn da sein. Wie eine Ehefrau." Seine häufige Abwesenheit erklärte er mit immer abenteuerlicheren Geschichten. Seine "rasend eifersüchtige" Ehefrau, die Tochter eines Chiquita-Banana-Managers aus Mexico, sei an Leukämie erkrankt und müsse in Tokio behandelt werden. Dort verschwand angeblich seine Tochter. Ein anderes Mal waren ominöse Killer hinter ihm her, die ihn um eine Erbschaft und ums Leben bringen wollten. Zu diesem Zeitpunkt waren die Betrügereien bei einer internen Prüfung der Buchungsunterlagen aufgefallen, und der Staatsanwalt wurde eingeschaltet.

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