Berlin : Bekanntester Intensivtäter wurde bei Schießerei verletzt - vor fünf Jahren

Vor fünf Jahren wurde Nidal R. nach mehreren Jahren Haft entlassen. Ermittler vermuten Streit mit verfeindetem Familienclan als Hintergrund. Was Jörn Hasselmann darüber schrieb.

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Tatort Neukölln. Noch am Freitag wurden in der Emser Straße Spuren der Schießerei gesichert. Foto: dapd
Tatort Neukölln. Noch am Freitag wurden in der Emser Straße Spuren der Schießerei gesichert. Foto: dapdFoto: dapd

In die Schießerei in der Emser Straße in Neukölln ist der bekannteste Intensivtäter Berlins verwickelt. Dem Vernehmen nach ist Nidal R., der als kriminelles Kind als „Mahmoud“ bekannt geworden war, einer der beiden Verletzten. Der 28-Jährige ist erst vor vier Wochen nach mehreren Jahren aus der Haft entlassen worden. Wie kurz berichtet, hatte es am Donnerstagabend eine wilde Schießerei auf der Straße gegeben, insgesamt sollen 18 Schüsse gefallen sein. Auch der 19-jährige Bruder von Nidal R. wurde mit Schussverletzungen ins Tempelhofer St. Joseph Krankenhaus gebracht. Nach Polizeiangaben sind die Hintergründe verworren. Bei der gegnerischen Seite soll es sich um den ebenfalls schwerkriminellen Clan R. (ein anderer Name) handeln. Auf der Suche nach zwei Personen dieser arabischen Familie stürmten Beamte eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) am Freitagabend zwei Wohnungen in der Neuköllner Silbersteinstraße und in Spandau. Festgenommen wurde aber niemand.

Dem Vernehmen nach widersprechen sich sämtliche Zeugenaussagen völlig. Und die beiden Opfer schweigen – wie üblich. Es könnte sich um eine Auseinandersetzung verfeindeter Clans, aber auch um eine Art spontanes Gefecht gehandelt haben, hieß es. Die Kripo sicherte die ganze Nacht Spuren, was wegen des Regens schwierig war. Die Ermittlungen am Tatort wurden am Freitagvormittag fortgesetzt. Die Beamten stellten mehrere Patronenhülsen und Projektile sicher und werteten die Einschusslöcher an mehreren Fahrzeugen und auf dem Asphalt aus. Genauere Untersuchungen zur Bestimmung der benutzten Schusswaffen und zum Tatablauf liefen Freitagabend noch. Am Tatort waren nicht nur Beamte der Mordkommission, sondern auch des LKA 4, zuständig für organisierte und Bandenkriminalität. Offiziell sprachen die Ermittler von einem „Schusswechsel“. Denn die Polizei vermutet, dass beide Seiten geschossen haben, möglicherweise auch Nidal R. Waffen wurden aber nicht gefunden.

Nidal R . ist nach eigenen Angaben staatenloser Palästinenser. Einen Beruf hat er nicht erlernt, sagte er im letzten Prozess. Dafür hat er mehr Schlagzeilen gemacht, als alle anderen der 500 Intensivtäter Berlins. Seine kriminelle Karriere begann im Alter von zehn Jahren, damals soll er einen Elfjährigen verprügelt haben. Delikte wie Körperverletzung und Raub ziehen sich durch sein Strafregister. Nachdem er mit 14 strafmündig wurde, folgten mehrere Gefängnisstrafen, die zunächst zur Bewährung ausgesetzt wurden. Immer wieder fiel er durch neue, brutale Straftaten auf. Anfang 2003 wurde der Serientäter durch den Aufsatz eines leitenden Kriminalbeamten in einer Fachzeitschrift unter dem Pseudonym „Mahmoud“ bekannt. Der Beamte hatte 81 Ermittlungsverfahren aufgelistet, wegen „Mahmoud“ gründete die Justiz im selben Jahr die Intensivtäterabteilung bei der Staatsanwaltschaft. Nach einer längeren Haftstrafe wurde Nidal R. 2006 erneut festgenommen, kam aber mit Hilfe eines Anwalts wieder frei. Die Staatsanwaltschaft erwirkte wiederum Haftbefehl. Als sich R. im Februar 2007 – ordnungsgemäß – auf einer Polizeiwache meldete, wehrte er sich gegen seine Festnahme, verletzte einen Beamten und floh. Zwei Wochen später nahm ihn ein Spezialeinsatzkommando fest.

Im Februar 2008 wurde R. zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Der Richter bescheinigte ihm einerseits „hochgradige Gefährlichkeit“, anderseits aber auch „positive Ansätze“ – weil er sich entschuldigt hatte im Prozess. Wegen eines Angriffs auf Gefängnisangestellte erhielt er im Juni 2009 vier Monate Haftverlängerung. Am 19. Oktober durfte Nidal R. die JVA Tegel verlassen.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft forderte am Freitag eine „Taskforce“ aus verschiedenen Verwaltungen. Der Landesvorsitzende Bodo Pfalzgraf sagte, dass diesen kriminellen arabischen Clans „deutsches Recht völlig egal“ sei. Neben Polizei und Justiz müssten auch Gewerbeämter, Sozialämter und Steuerfahndung beteiligt sein, um das wirtschaftliche Treiben der Clans besser kontrollieren zu können und staatliche Transferleistungen gegebenenfalls zu streichen.

Der Beitrag erscheint in unserer Rubrik "Vor fünf Jahren"

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