Berlin : Bekommen die Manager der öffentlichen Betriebe zu viel Geld?

Ingo Bach

Natürlich verdienen die Vorstände der öffentlichen Betriebe zu viel. In den landeseigenen Unternehmen Berlins wird massiv Personal abgebaut, die Beschäftigten müssen Gehaltskürzungen hinnehmen. Die Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe sollen auf bis zu 16 Prozent Lohn verzichten. Auch in der Charité wird um einen Haustarifvertrag gefeilscht, der am Ende wohl Lohneinbußen festschreiben wird. Beim Klinikbetrieb Vivantes haben die Beschäftigten bereits auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichtet. Zehn Prozent des Einkommens sind weg. Die Begründung ist immer gleich: Der Betrieb macht Verluste.

Die Vorstände aber kassieren 200 000, 250 000, 300 000 Euro pro Jahr – manche plus Prämien etwa dafür, dass die Verluste nicht noch weiter wachsen. Das Argument für den tiefen Griff in öffentliche Schatullen: Fähige Führungskräfte kosten eben viel Geld. Abgesehen davon, dass nicht immer nur das fähigste Personal an der Spitze von öffentlichen Unternehmen steht, würde dies im Umkehrschluss bedeuten, dass zum Beispiel in der Landesregierung nur weniger fähige Manager sitzen. Der Regierende Bürgermeister etwa verdient rund 150 000 Euro.

Wenn es eines Tages den öffentlichen Unternehmen richtig gut gehen sollte, die Gewinne fließen und man den Beschäftigten Lohnerhöhungen gewähren kann, dann sollen auch die erfolgreichen Vorstände davon profitieren.

Eins ist klar: Alle bekommen zu viel Geld – Politiker, Manager, Fußballer, Fernsehstars. Nur ich bekomme zu wenig. Das ist die gefühlte Wahrheit, aber das Gefühl trügt oft. Die Tendenz, das Einkommen von Spitzenkräften gegen das der breiten Masse auszuspielen, ist billiger Populismus und widerspricht dem Grundprinzip der Leistungsgesellschaft. Wer viel arbeitet, ein besonderes Talent hat, sehr kreativ ist und/oder große Verantwortung trägt, soll dafür gutes Geld verdienen.

Das muss insbesondere für öffentliche Betriebe gelten, wo die Besten, Talentiertesten, Kreativsten und Fleißigsten gebraucht werden. Schließlich sollen sie Management-Fehler, die über Jahre in subventionierter Sicherheit begangen wurden, jetzt ausbügeln. Um bei der Suche nach solchen Spitzenkräften konkurrenzfähig zu sein, müssen gerade diese Betriebe, die sich im Übergang von der öffentlichen in die private Wirtschaft befinden, gut zahlen.

Die Frage ist also nicht, ob Herr Arnim etwa zu viel Geld bekommt, sondern ob er der richtige Mann ist für den schwierigen Job. Wenn ja, gebt ihm gutes Geld, damit er nicht wegläuft. Wenn nicht, dann sollte er bei der BVG möglichst bald gar nichts mehr bekommen. Er sollte seinen Platz räumen für einen, der besser ist – auch wenn der dann womöglich noch mehr verdient. Markus Hesselmann

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