Berlin : Belebende Kunst

Die Berlinische Galerie hat in Kreuzberg wieder ein Zuhause gefunden

Ulrich Clewing

Sieben Jahre war die Berlinische Galerie heimatlos. Nun ist das Ende der Odyssee in greifbare Nähe gerückt. Gestern fand im Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur an der Alten Jakobstraße in Kreuzberg mit den Senatoren Ingeborg Junge-Reyer (Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Umweltschutz) und Thomas Flierl (Kultur und Wissenschaft) die symbolische Schlüsselübergabe statt, vom 20. bis 24. Oktober soll das neue Museum dann feierlich eröffnet werden.

„Die Berlinische Galerie wird international Furore machen“, prophezeite Kultursenator Flierl in seiner Festansprache und gab sich überzeugt, dass das Museum dazu beitragen werde, diesen Teil der Stadt neu zu beleben. Auch Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer lobte den Standort in unmittelbarer Nähe zum Jüdischen Museum und freute sich über den glücklichen Ausgang eines „von manchen als zäh empfundenen Prozesses“: Die Berlinische Galerie sei hier genau am richtigen Platz.

Die allgemeine Zufriedenheit konnte nicht darüber hinweg täuschen, dass das 1975 als privater Verein gegründete Museum zuletzt auch ganz andere Erfahrungen machen musste. Es war an Jörn Merkert, Direktor der Berlinischen Galerie, „ein letztes Mal“ daran zu erinnern, dass das Ziel erst nach „langen Irrungen und Wirrungen“ erreicht wurde. Die Provisorien in der Kunstbibliothek und im Martin-Gropius-Bau, der erzwungene Auszug 1997 ohne ein Ausweichquartier, die Querelen um Postfuhramt und Schultheiss-Brauerei – all das ließ bisweilen den Eindruck entstehen, das Schicksal und sämtliche verfügbare Götter hätten sich gleichzeitig gegen das auf Berliner Kunst spezialisierte Museum verschworen.

Vergangen, vergessen: Noch legen Bauarbeiter letzte Hand an, doch bald schon werden die ersten Kunstwerke im neuen Haus installiert. Die Voraussetzungen dafür sind so günstig, wie sie angesichts des relativ schmalen Budgets von etwa 18,7 Millionen Euro nur sein können. In Rekordzeit wurde die schmucklose Industriehalle, ein ehemaliges Glaslager, in ein Museum umgebaut, das zwar fast vollständig auf natürliche Beleuchtung verzichten muss, sonst aber mit seinen großzügig dimensionierten, teilweise bis zu elf Meter hohen Sälen bestens auf seine künftige Bestimmung vorbereitet ist. Die fließend ineinander übergehenden Räume mit einer Ausstellungsfläche von insgesamt 4600 Quadratmetern wirken elegant und funktional, Gleiches gilt für die über Kreuz gestellten Treppen, die in das erste Obergeschoss führen. Und die Fassade ist sogar ein Kunstwerk für sich – der Entwurf stammt vom Berliner Künstler Fritz Balthaus.

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