Berlin : Belebender Faktor

Akademie der Künste kämpft für Ku’damm-Bühnen

-

Noch ist unklar, wie das Ku’damm-Karree nach dem geplanten Umbau aussehen wird. Noch wird über einen Grundstücksverkauf spekuliert. Beide Bühnen aber sind nach wie vor akut abrissgefährdet. Die Akademie der Künste hat jetzt eine klare Position bezogen: Sie appelliert an die Besitzer, Betreiber, Politiker und Behörden, die wichtigen Theaterbauten des Architekten Oskar Kaufmann am Kurfürstendamm zu erhalten und „nicht einer willkürlichen Grundstücksgestaltung zu opfern“. Es müsse für die Bühnen ein Abrissverbot durchgesetzt werden.

Die Besitzer des Karrees sollten ein Konzept entwickeln, bei der die beiden Bühnen als belebender Faktor einer gewerblichen Passage nicht angetastet werden, schreibt im Namen der Akademie Klaus Völker, früher Rektor der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. „Wir glauben, dass eine Verbesserung der Einkaufs- und Büropassage nur im Zusammenspiel mit intelligenter, zu einer Hauptstadt und einem Boulevard passenden Theater- und möglichst auch Kinoszene möglich ist.“ Die ideellen Interessen der bürgerlichen Gemeinschaft dürfen nicht restlos den materiellen Interessen von Banken und Konzernen geopfert werden: Ein Abbruch der beiden Bühnen würde die in den zwanziger Jahren geschaffene urbane Berliner Theatertradition, die neu belebt werden muss, definitiv zerstören und das Zeugnis der wunderbaren Zusammenarbeit des Architekten Oskar Kaufmann und des genialen Regisseurs Max Reinhardt vernichten. „Auch der Kompromiss, eine der Bühnen an anderer Stelle des Karrees neu zu bauen, der der jetzigen Direktion vielleicht ausreicht, um ihren Spielbetrieb fortzusetzen, lindert nicht den Schaden der Vernichtung“, meint die Akademie.

Sie kritisiert, dass der massive Protest vieler Zuschauer und namhafter Vertreter des Berliner Kulturlebens bislang wirkungslos verhallt sei. Gegen die drohende Schließung von Komödie und Theater am Kurfürstendamm sind bislang mehr als 100 000 Unterschriften gesammelt worden. Grundstückseigentümer ist ein offener Immobilienfonds, der von der DB Real Estate, einem Tochterunternehmen der Deutschen Bank, verwaltet wird. C. v. L.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben