Beleuchtung : Keine neuen Lichter für Berlin

Vor vier Jahren hat der Senat ein Konzept zur stromsparenden Beleuchtung der Stadt beschlossen. Doch statt es konsequent umzusetzen, lässt er Fördermittel verfallen und streitet sich mit dem Bund.

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Alte Laternen statt innovative Konzepte: Berlin hinkt bei der Umsetzung seines Lichtkonzepts hinter den eigenen Vorgaben her.
Alte Laternen statt innovative Konzepte: Berlin hinkt bei der Umsetzung seines Lichtkonzepts hinter den eigenen Vorgaben her.Foto: dpa

Als das Berliner Lichtkonzept 2011 erlassen worden ist, war es „wegweisend in seiner Art“, schreibt die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher im Vorwort des 77 Seiten starken Handbuchs dazu. Lüscher hatte 2008 einen sechsköpfigen Lichtbeirat einberufen, der das Konzept erarbeitet hat – flankiert von einer Vielzahl von Gutachten. Am Ende stellte Lüscher zufrieden fest, dass Berlin „neue Wege geht, um die Ansprüche an Lichtintensität, Sicherheit, Energieeffizienz, Umweltgerechtigkeit und schöner Lichtstimmung zusammenzuführen“.

Vier Jahre nach dem Beschluss des Lichtkonzepts sieht es bei der Umsetzung allerdings finster aus. Konsequent betrieben – und von Protesten begleitet – wird nur der erste Schritt, der Austausch der besonders teuren und energieintensiven Gasreihenleuchten. Mehrere Bürgerinitiativen kämpfen um die Erhaltung der Gasbeleuchtung. Es handele sich um ein Kulturgut, sagt beispielsweise Sabine Röck, die das Gasleuchtenmuseum im Tiergarten wissenschaftlich betreut.

LED-Laternen bislang nur im Modellversuch

Die neuen LED-Laternen – im Handbuch als Beginn eines neuen technologischen Zeitalters gewürdigt – spielen in Berlin kaum eine Rolle. Erst etwa 600 der 224.000 Berliner Straßenlaternen seien LED-Leuchten, sagt Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Und es sind durchweg Modellprojekte. Derzeit werden in Spandauer und Neukölln Gasaufsatzleuchten durch gleich aussehende LED-Leuchten ersetzt. In Neukölln beteiligt sich der Bund mit 280.000 Euro Fördergeld an der 2,9 Millionen Euro teuren Investition, die EU steuert weitere 824.000 Euro bei. In Spandau ist die EU mit 1,5 Millionen Euro beteiligt – die Hälfte der Gesamtkosten.

In den vergangenen vier Jahren hat der Bund jährlich bis zu 100 Millionen Euro ausgegeben, um Kommunen die Umstellung auf stromsparende LEDs zu erleichtern. Freiburg im Breisgau hat sich beispielsweise einen entsprechenden Masterplan fördern lassen, die Kleinstadt Königsfeld im Schwarzwald wird inzwischen fast komplett mit LED beleuchtet – auch das mit Hilfe vom Bund.

Berlin dagegen hat in zwei Fällen sogar Fördermittel zurückgegeben. In einer Wohnstraße hätten Quecksilberdampflampen ausgetauscht werden sollen. Die dürfen von April an gar nicht mehr in den Handel gehen, weil sie die EU-Vorgaben zur Energieeffizienz nicht erfüllen. In Berlin leuchten sie weiter, weil mit dem Ersatz durch LEDs eine Energieeinsparung von 60 Prozent hätte erreicht werden müssen, um die Bundesmittel zu bekommen.

Berlin hat Fördermittel zurückgegeben

Das ist an sich kein Problem, denn mit LED-Lichtkonzepten lassen sich mit einer guten Planung bis zu 80 Prozent Energie einsparen, heißt es unter anderem in einem Bericht fürs Forschungsministerium. Doch nach Auskunft von Rohland hat Berlin angefangen, das Straßenlicht einfach dadurch zu „dimmen“, dass bei Laternen mit zwei Lampen nur noch eine leuchtet. Außerdem hätte der Bund nur 25 Prozent der Kosten für die reinen LED-Leuchten übernommen, Umbaukosten hätte Berlin selbst tragen müssen. „Das hätte uns keinen Vorteil gebracht“, sagt Rohland.

Im zweiten Fall hätten ebenfalls alte Quecksilberdampflampen ausgetauscht werden sollen: entlang der Avus. Für die Stadtautobahn ist der Bund zuständig, aber an Autobahnen gibt es keine Beleuchtungspflicht. Berlin hat nun auf die Fördermittel vom Bund verzichtet – und will stattdessen rechtlich klären, ob nicht doch der Bund für die Beleuchtung der Stadtautobahn zuständig sein könnte. Das entsprechende Rechtsgutachten liege noch nicht vor, berichtet Rohland. Und das Förderprogramm ist ausgelaufen. Berlin hätte die Fördermittel bis Ende 2014 ausgegeben haben müssen.

Beleuchtete Bahnbrücken in der City West
Der Stahl ist der Star. Die Bahnbrücke in der Kantstraße leuchtet seit Juli 2015, das „minimalistische“ Lichtkonzept stammt von der Firma Arup und dem Künstler Hans Peter Kuhn.Alle Bilder anzeigen
1 von 9Foto: Arup / Rossmann
21.07.2015 23:02Der Stahl ist der Star. Die Bahnbrücke in der Kantstraße leuchtet seit Juli 2015, das „minimalistische“ Lichtkonzept stammt von...

Dafür berichtet Rohland, dass in der Bleibtreustraße und am Tauentzien die alten Quecksilberdampflampen in den sogenannten Metropol-Leuchten des Berliner Unternehmens Selux inzwischen ausgetauscht worden seien – durch Halogen-Metalldampflampen. Die gehen 2017 aus dem Handel, weil sie die EU-Effizienzvorgaben nicht erfüllen. Warum nicht gleich auf LEDs umgerüstet wurde? „Das schaffen wir nicht“, sagt Rohland. Außerdem sei ja noch nicht erwiesen, dass die LEDs tatsächlich so lange hielten, wie von den Herstellern behauptet. Aus anderen Städten ist aber zu hören, dass die LEDs teilweise schon zehn Jahre funktionieren.

Die drei Berliner Leuchtenhersteller Selux, Hellux und Braun Lighting Solutions verkaufen inzwischen für Außenbeleuchtung fast nur noch LEDs. Das bestätigt auch Stefan Metzner, Leiter Außenbeleuchtung bei Trilux, einem der Großen in dem Geschäft. "Die LED hat sich in der Außenbeleuchtung absolut etabliert", sagt er. Sie machten inzwischen 70 bis 75 Prozent des Umsatzes bei Außenleuchten, aus.

2011 lobte die damalige Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) im Vorwort zum Handbuch die Gründlichkeit, mit der Berlin sein Lichtkonzept erarbeitet hat. „Lichtexperten, Biologen, Verkehrssicherheitsfachleute und Schlafforscher“ hätten ein Konzept erarbeitet, „das Ökologie und Ökonomie des Lichts mit der unverwechselbaren Atmosphäre Berlins verbindet“. Die Umsetzung scheint unverwechselbar Berlin.

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