Berlin : Belohnung für Nichtraucher: 250 DM monatlich für Absage an die Zigaretten

Tanja Buntrock

Wer sich das Rauchen abgewöhnen will, der hat es meistens schwer. Entweder er platzt - wegen des hohen Süßigkeitskonsums als Ausgleich - aus allen Nähten, oder er verspürt eine ständige, fast unkontrollierbare Nervosität. Veilleicht werden die Nebenwirkungen jedoch erträglicher, wenn die Abstinenz belohnt wird: mit Bargeld. In einer der vielen Entwicklungsabteilungen der Firma Siemens in Berlin probiert man dies nun.

Personalmarketing-Leiter Eberhard-Eike Schur ist Mit-Erfinder dieser Aktion. Er versprach den Rauchern seiner 100 Mitarbeiter starken Abteilung, dass sie für zwei Jahre 250 Mark monatlich mehr Gehalt bekommen, wenn sie mit dem Rauchen aufhören. Vier der 100 Beschäftigten aus seiner Abteilung haben diesen Anti-Rauch-Vertrag bereits unterzeichnet. Schurs Aktion hat im Hintergrund die Erwartung, dass Nichtraucher fit und weniger anfällig für Krankheiten seien. "Sie sollen sich bei uns wohlfühlen." Da jedoch jede Abteilung selbst entscheidet, wie sie mit Rauchern und Nichtrauchern umgeht, gilt diese Aktion nicht für alle der 16 000 Siemens-Mitarbeiter.

Wie stehen andere Unternehmen und Institutionen zu dieser Aktion? Bei der Schering AG sieht man die Sache skeptisch. "Bei uns wird es eine solche Aktion nicht geben, weil damit die Raucher finanziell bevorzugt werden", sagt Mathias Claus, Pressesprecher der Schering AG und Nichtraucher. Die Mitarbeiter, die nicht rauchen, könnten sich zu Recht beschweren. "Wir setzen bei uns auf Toleranz. Dort, wo ein Raucher und ein Nichtraucher zusammen in einem Büro sitzen, sollten sie sich einigen. Stört der Qualm, muss der Raucher auf den Genuss seiner Zigaretten verzichten", sagt Claus.

Beim Autohersteller BMW in München arbeite man "team- und projektorientiert", sagt Pressesprecherin Christine Krepold. Das Unternehmen überlasse es den Beschäftigten, sich gegenseitig zu einigen. "Wir legen Wert auf Eigeninitiative und Selbstorganisation", sagt Krepold, "bislang hatten wir als Unternehmen es noch nicht nötig einzugreifen". Ähnlich sieht es bei Debis aus. "Wir lösen das individuell, die Mitarbeiter sprechen sich ab", erzählt Sprecher Rainer Knubben. Außerdem gebe es bei Debis sowieso nur sehr wenige Raucher.

Der Sprecher der Gesundheitsverwaltung, Klaus-Peter Florian, findet es "grundsätzlich immer besser, Anreize statt Verbote zu schaffen". Wenn ein Unternehmen zusammen mit Rauchern und Nichtrauchern versuche, diese Sache gemeinsam zu regeln, dann "ist das eine vernünftige Aktion."

Als "eine vorbildhafte Idee" betrachtet die Landesdrogenbeauftragte Elfriede Koller die Aktion. "Daran sollten sich andere Betriebe in Berlin orientieren." Sie findet es sehr positiv, dass ein Konzern seinen Mitarbeitern Hilfe leistet, um vom Nikotin wegzukommen. "Wenn man mit einer Droge aufhört, braucht man einen Ersatz. So ist der finanzielle Anreiz zu sehen", sagt Koller.

Im Neuköllner Werk der Zigarettenfirma Philip Morris "kommt eine solche Aktion natürlich nicht in Frage", sagt Sprecherin Gudrun Schulte. Die Mitarbeiter sprächen sich in der Kantine und in den Büros ab, ob geraucht werden darf oder nicht. Auch hier setze man auf Toleranz. Zudem kursieren bei Philip Morris Comic-Broschüren, die einige "Benimm-Regeln" enthalten - und zwar für Raucher, nicht für Nichtraucher.

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