Berlin : Benjamin Franklin: Angst vor dem Aus

Millionenverluste der Charité könnten das Ende des Standortes bedeuten – Personalrat des Steglitzer Klinikums kündigt Proteste an

Ingo Bach

Im ehemaligen Universitätsklinikum Benjamin Franklin in Steglitz geht die Angst um. Wenn die Charité weiterhin so hohe Verluste einfahre, werde man wohl das ganze Steglitzer Krankenhaus abwickeln, fürchtet Monika Ziegner, Personalrats-Vorsitzende des jetzt Charité-Campus Benjamin Franklin genannten Krankenhauses. Wie gestern berichtet, hat die „alte“ Charité, bestehend aus dem Klinikum in Mitte und dem Virchow-Klinikum in Wedding, bis zur Fusion am 1. Juni 2003 ein Defizit von 29 Millionen Euro angesammelt. „Wenn das so weitergeht, sitzen wir bis 2005 auf einem Minus von 100 Millionen Euro“, sagt Ziegner. „Das könnte das Aus für einen der Standorte bedeuten, wahrscheinlich für uns.“

Der Personalrat sieht schon jetzt Hinweise, dass die Führungsetage der Hochschulmedizin den Steglitzer Standort ausbluten lassen will. Im Zuge der Fusion wurden bereits mehrere Stationen aus dem Süden nach Mitte und nach Wedding verlegt, so die Frauen- und Kinderklinik, das Brustkrebszentrum und mehrere Verwaltungsabteilungen. Weitere Bereiche sollen folgen.

Die Zusammenlegungen müssen sein, sagt Ingrid Nümann-Seidewinkel, Übergangs-Chefin der Gesamt-Charité. Denn der Senat will bis 2010 ganze 98 Millionen Euro öffentlicher Zuschüsse am Klinikum einsparen. Die Verluste der alten Charité kommentiert Nümann-Seidewinkel mit dem Satz: „Fehlbeträge sind immer traurig. An der Bilanz muss man arbeiten.“

Die Fusion sei keine Einbahnstraße, sagt die Vorstandsvorsitzende. Einige Abteilungen zögen auch nach Steglitz. Und über viele Konzentrationen sei noch gar nicht entschieden. Zum Beispiel über den Sitz der gemeinsamen Rechtsmedizin oder der Zahnklinik. So sollen nun erst Gutachter bis zum Februar 2004 klären, wo die zusammengelegte Zahnklinik angesiedelt werden soll.

Die Uhr tickt. „Wenn nicht bald ein neuer Vorstand eingesetzt wird, der Entscheidungen treffen kann, dann wird die Situation für die Berliner Hochschulmedizin immer schwieriger“, sagt Nümann-Seidewinkel. Sie ist nur als Übergangschefin eingesetzt worden und wird nach eigenen Angaben „definitiv am 31. Januar 2004 aufhören“. Doch die Senatswissenschaftsverwaltung hat die drei Leitungsposten des Riesenklinikums noch nicht einmal ausgeschrieben, weil erst der Charité-Aufsichtsrat dem Prozedere zustimmen muss. Ein Zeitpunkt für das Ende des Verfahrens steht laut Wissenschaftsverwaltung nicht fest. Unter Umständen müsste noch einmal ein kommissarischer Chef die Geschäfte übernehmen, sagen Insider.

Eine Bestandsgarantie für Steglitz will die Vorstandschefin nicht abgeben. „Alle drei Standorte der Charité sind gleich sicher – oder unsicher.“ Der Steglitzer Personalrat hat die rund 5000 Beschäftigten am Mittwoch zu einer Personalversammlung zusammengerufen. „Ich bin sicher, wir könnten die Mitarbeiter für die gleichen Aktionen aktivieren, wie vor zwei Jahren“, sagt Personalrätin Ziegner. Damals hatte der Senat das Aus für das Benjamin Franklin beschlossen – und einen mehrwöchigen Proteststurm ausgelöst, der die Schließung verhinderte.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben