Benjamin Franklin : Neue Pläne für Steglitzer Klinikum

Das Universitätsklinikum Benjamin Franklin (UKBF) wird möglicherweise aus der Charité ausgegliedert. Der Vivantes-Konzern könnte das Krankenhaus von der Charité übernehmen. Die Linkspartei lehnt den Plan ab.

Anja Kühne

 Der Plan, Forschung und Lehre von dort abzuziehen und das Klinikum nur noch als städtisches Krankenhaus zu betreiben, liegt zur Debatte auf dem Tisch, wie die Berliner Finanzverwaltung dem Tagesspiegel am Donnerstag bestätigte. Demnach erwägt Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos), Berlins Unimedizin auf die beiden Standorte Mitte und Wedding zu konzentrieren. Das Steglitzer Klinikum Franklin würde dann vom städtischen Klinikbetrieb Vivantes geführt. „Damit sinkt meine Hoffnung auf eine sinnvolle Lösung“, sagte FU-Vizepräsidentin Monika Schäfer-Korting auf Anfrage.

Berlins Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD), aber auch der Vorstandsvorsitzende der Charité, Karl Max Einhäupl, machen sich seit Monaten für den Erhalt aller drei Standorte der Berliner Unimedizin stark. Auch der Aufsichtsrat der Charité hatte sich im März zu den drei Standorten bekannt. Allerdings saß der jetzige Finanzsenator damals noch nicht in der Runde.

Am heutigen Freitag plane Nußbaum ein Gespräch mit Zöllner und Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher. Im Dezember soll ein Konzept zur Zukunft der Charité vorliegen. Die Charité hat im vergangenen Jahr mit einem Defizit von 57 Millionen Euro abgeschlossen. Dramatisch drückt sie ein Bau- und Sanierungsbedarf von über 600 Millionen Euro.

Sollte der Südwesten der Stadt seine Universitätsmedizin aufgeben müssen, verlöre die Freie Universität damit eine Schlacht, die sie seit Jahren schlägt. Erfolgreich wehrte sich die FU zwar 2002 gegen die Abwicklung von Forschung und Lehre am UKBF. Allerdings entzog der Senat der Medizin 98 Millionen Euro – was der Schließung des Standortes entsprach. Doch um das UKBF zu retten, wurde es in die Charité eingegliedert. Seitdem beklagen die Wissenschaftler am UKBF, die Forschung würde schleichend auf die anderen Standorte verlagert. Der scheidende FU-Präsident Dieter Lenzen startete im Sommer deshalb den Versuch, dass UKBF wieder aus der Charité herauszulösen, gegebenenfalls mit Hilfe eines privaten Investors. Dass dies gelingt, ist unwahrscheinlich.

Schon seit Monaten werden auch andere Wege diskutiert, um die finanziellen Probleme der Charité in den Griff zu bekommen. Unter den acht gehandelten Versionen ist auch die, wonach Forschung und Lehre zwar am UKBF bleiben, für die Krankenversorgung würde aber Vivantes zuständig sein. Wolfgang Albers, der wissenschaftspolitische Sprecher der Linken, hält das für keine gute Idee. Das Problem des Franklin-Klinikums – es muss für über 200 Millionen Euro saniert werden – bestünde weiter. Auch wäre es für die Charité und Vivantes kaum möglich, ihre Kosten auseinanderzuhalten. Schon die Trennungsrechnung für Forschung und Lehre falle der Charité schwer.

Albers hält auch nichts davon, das Klinikum Franklin gar nicht mehr für Forschung und Lehre zu nutzen. „Auch das wird die finanziellen Probleme nicht lösen.“ Ein anderer Kenner der Unimedizin glaubt, dass Berlin damit sogar Geld verlorenginge. Die Drittmitteleinnahmen der Charité, 130 Millionen Euro, würden sich deutlich verringern. Hochwertige Arbeitsplätze gingen in der Stadt verloren. Außerdem sei das Uniklinikum mit seinen Hörsälen für die nicht-akademische Krankenversorgung ungeeignet.

Deshalb plädiert Albers für eine andere Lösung: Die drei Standorte der Unimedizin bleiben bestehen. Aber die Kooperation zwischen ihnen wird „deutlich verstärkt“ – etwa in der Verwaltung – und das privatisierte Gebäudemanagement wird wieder vom Land übernommen. Auch müsse die Charité deutlicher Prioritäten in der Forschung setzen.

Betten will die Linke in Berlin nicht abbauen. Trotzdem wird im Senat diskutiert, ob das zu Vivantes gehörende Auguste-Viktoria-Krankenhaus in Schöneberg geschlossen werden könnte. Ein Teil der dortigen Betten könnte dann wegfallen, ein anderer Teil ans Universitätsklinikum Franklin verlagert werden.

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