Berlin : Benneter und Staffelt ringen um Listenplatz

Ulrich Zawatka-Gerlach

Nur einer kann gewinnen: Klaus Uwe Benneter oder Ditmar Staffelt. Der SPD-Generalsekretär und der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, die beide wieder in den Bundestag wollen, streiten um den Platz 3 auf der SPD-Landesliste. Eine Kampfkandidatur mit ungewissem Ausgang. Am 7. August wird die Landesvertreterversammlung der SPD über die Liste entscheiden.

Die Parteilinke nimmt es Staffelt immer noch übel, dass er an der Gründung der skandalumwitterten Bankgesellschaft maßgeblich beteiligt war. Auch Benneter, einst ein Führungsmann der Berliner SPD-Linken, gilt nicht mehr als Erfolgsmodell. Mehrheitsfähig war er ohnehin selten. Als die Berliner SPD 2002 ihre Bundestagskandidaten aufstellte, fiel Benneter im Kampf um Platz 5 gleich zweimal durch. Es war eine große Überraschung, als er im bürgerlichen Steglitz-Zehlendorf sein Mandat direkt gewann. Das wird ihm diesmal wohl nicht gelingen, und so beansprucht Benneter den dritten Listenplatz. Unterstützt von seinem Kreisverband, dessen Vorsitzender Michael Arndt sagt: „Der ist kein Wackelkandidat!“

Aber Staffelt will den Listenplatz 3 verteidigen, den er im Februar 2002 mit 86,2 Prozent der Delegiertenstimmen errang. Der Neuköllner SPD-Kreisvorstand hat ihn bereits wieder nominiert. Gleich hinter dem Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse und der Haushaltsexpertin Petra Merkel, die auf den ersten beiden Plätzen der SPD-Wahlliste unangefochten sind. Neukölln ist Staffelts politische Heimat; dort schlägt das Herz der Sozialdemokraten nicht links. Im Wirtschaftsministerium habe Staffelt „an einer wichtigen Schaltstelle der Reformpolitik“ gesessen, sagt der SPD-Kreischef Fritz Felgentreu. „Wir werden keinen Wahlkampf gegen die alte Bundesregierung führen.“ Im links dominierten SPD-Landesverband steht so ein Kandidat schnell auf der Kippe. Staffelt weiß, dass er wackelt, und ist erschrocken.

Eine gütliche Einigung „unter Männern“ gilt als unwahrscheinlich, denn Staffelt und Benneter können sich gegenseitig nicht leiden. Nur die Chefs der drei größten SPD-Kreisverbände Steglitz-Zehlendorf, Charlottenburg-Wilmersdorf und Tempelhof-Schöneberg könnten eine Kampfkandidatur verhindern, indem sie ein allseits akzeptiertes Personalpaket schnüren. „Es ist ja noch Zeit“, sagt der Kreischef in Charlottenburg-Wilmersdorf, Christian Gaebler.

Er weiß aber auch, dass es zu viele Kandidaten für die aussichtsreichen Plätze der SPD-Wahlliste gibt. Die Chance, ein Direktmandat zu erobern, haben nur Thierse in Pankow und der Finanzpolitiker Jörg-Otto Spiller in Berlin-Mitte. Alle anderen müssen sich auf die Liste retten. Mit höchstens sieben Mandaten kann die Berliner SPD dieses Mal rechnen. Der Platz 4 ist für Mechthild Rawert, Landeschefin der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen, reserviert. Um Platz 5 und 6 dürfen sich wieder die Männer streiten.

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